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Freitag, 09.04.2010:
Anschaffen mit fremdem Pass nie wieder schwarze Frauen
Um Menschenhandel ging's und um Förderung der Prostitution einer unter 16-Jährigen Afrikanerin, doch deren wahres Alter ließ sich vor Gericht nicht klären: Verfahren gegen Betreiberin eines Hamminkelner Clubs eingestellt.
Sie kommen aus Sierra Leone, Benin oder Nigeria. Je nachdem, in welches Land gerade nicht abgeschoben wird. Sie haben keine Pässe. Und wenn doch, dann sind es nicht die eigenen. Keiner kann die Identität klären. Und wenn sie einen Asylantrag gestellt haben, "dann bleiben sie hier bis an ihr Lebensende".
So beschrieb Richter Ollesch gestern eine beliebte Methode zu illegalen Einreise mit Versorgungsgarantie. Hintergrund war ein Fall, der eine 36-jährige Frau aus Marl um ein Haar teuer zu stehen gekommen wäre. Als Betreiberin eines Hamminkelner Saunaclubs musste sie sich wegen Förderung der Prostitution einer unter 16-Jährigen verantworten.
Das Verfahren wurde eingestellt, weil sich weder die Identität, noch das genaue Alter einer Schwarzafrikanerin klären ließen. Zwar gibt es die Möglichkeit einer Handknochenmessung, doch die sei "nicht einfach und zu teuer" befand Ollesch. Überdies kamen alle Beteiligten überein, dass man das Alter besagter Liebesdienerin tatsächlich kaum einschätzen konnte.
Chefin mit Kopie hereingelegt
Nicht allein auf Augenschein hatte sich die Angeklagte verlassen: Als die junge Frau – "Victoria, die Mädchen haben ja alle Arbeitsnamen" – im vergangenen September mit einer dolmetschenden Begleiterin in dem Hamminkelner Etablissement erschien und nach einer Arbeitsgelegenheit fragte, da hatte sich die Chefin einen Ausweis zeigen lassen und diesen kopiert. Victoria sah der abgebildeten 29-Jährigen sehr ähnlich.
Es sei eine gängige Methode, Afrikanerinnen einer Passinhaberin optisch anzugleichen, sagte Ollesch und äußerte Verständnis für die offenbar hereingelegte Angeklagte. Die war ihre neue Untermieterin nach wenigen Tagen wieder los, denn bei einer Kontrolle der Polizei, wurde Victoria wegen fehlender Papiere einkassiert.
Die Kopie brachte die 36-Jährige flott zur Wache, wo geschulten Augen kleine Unterschiede auffielen. Ein Fingerabdruck der angeblich 15-Jährigen war BKA und Behörden anderer Schengen-Staaten unbekannt.
"Nie wieder mit dunklen", sagte die kurierte Angeklagte gestern. Sie hatte Victoria per mündlichem Vertrag ein Zimmer überlassen. Der Club war erst im April 2009 in Betrieb gegangen. Deshalb hätten die Mädchen auch noch keinen "Eintritt" bezahlt. Diese würden auf eigene Rechnung arbeiten.
Sie selbst, so die Angeklagte, würde nur an Eintritt und Bewirtung der Kunden verdienen. Deutsch spricht Victoria, die mit amtlichem Vormund kam und in einem Heim untergebracht ist, nicht, auch ihr Englisch ist schlecht. Ollesch: "Wer sie ist, wird nie jemand rausbekommen."
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