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Mittwoch, 06.04.2011:
Bande hat Bordelle und Discos mit geklautem Alkohol beliefert
Mit gestohlenem Champagner, Whiskey und anderen hochwertigen Alkoholika soll eine Diebesbande im vergangenen Jahr Bordelle, Diskotheken und Gaststätten in München versorgt haben.
Seit Montag müssen sich vor der dritten Jugendkammer am Münchner Landgericht neun Männer im Alter von 21 bis 42 Jahren wegen schweren Bandendiebstahls beziehungsweise gewerbsmäßiger Bandenhehlerei verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Ware aus Supermärkten in ganz Bayern gezielt gestohlen zu haben, um sie an die Kneipen und Amüsierbetriebe weiterzureichen. Der Schaden beläuft sich laut Anklage auf rund 100000 Euro.
Zwei der in Rumänien angeheuerten Diebe wurden auf frischer Tat ertappt und legten Geständnisse ab. Auf diese Angaben stützt sich nun die Staatsanwaltschaft. Demnach soll der 42-jährige Getränkehändler Johann M. aus München die Beutezüge organisiert haben. Zunächst habe er für die Rumänen Wohnungen angemietet und die Preise für die zu liefernden Alkoholika festgelegt. Teilweise soll er auch konkrete Bestellungen für die Diebstähle in Auftrag gegeben haben. Laut Anklage gewährte er den umherreisenden Männern überdies Kredite, übernahm die Beiträge für deren Autoversicherungen, sorgte für die Zwischenlagerung der Flaschen und organisierte die Weiterveräußerung der gestohlenen Ware.
Die Beute fiel je nach Tagesform der Diebe sehr unterschiedlich aus. Während sie am 26.Mai 2010 aus Münchner Supermärkten fünf mittlere und zehn große Flaschen Champagner sowie 22 Flaschen Wodka im Wert von 1243 Euro schleppten, kamen sie vier Wochen später in Wasserburg an einem Tag nur auf eine Flasche Brunello für 27 Euro. Zu den Abnehmern zählte offenbar ein Café an der Lindwurmstraße, deren Geschäftsführer sich zudem wegen Körperverletzung verantworten muss, weil er auf einen säumigen Schuldner eingetreten haben soll. Auch eine Diskothek an der Leopoldstraße steht auf der Kundenliste. Und eine stattliche Anzahl an Schaumweinflaschen benötigte laut Liste ein Bordell in Milbertshofen: Für 4670 Euro soll Betreiber Maximilian B. am 10. Juli 2010 bei der Diebesbande 15 Flaschen Taittinger Rosé, 15 Flaschen Moåt und weitere 100 Flaschen Champagner geordert haben. Bordellchef B. befindet sich bereits wegen eines anderen Strafverfahrens in Untersuchungshaft. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Mitglied einer Bande gewesen zu sein, die im großen Stil die Kilometerzähler von Gebrauchtwagen frisierte (SZ berichtete).
Im Prozess um die Diebstähle und Hehlereien zeichnete sich bereits am Montag eine Einigung unter den Prozessbeteiligten ab. Demnach können die Angeklagten bei Geständnissen mit Haftstrafen von eineinhalb bis dreieinhalb Jahren rechnen.
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