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Montag, 24.10.2011:
Der "Kauf sexueller Dienste" wird in Island mit Geld- oder Haftstrafe geahndet.
Dennoch gibt es Prostitution. Das soll jetzt anders werden.
Einschlägige Websites und seriöse Tageszeitungen dürfen zwar nicht mehr offen Sexanzeigen schalten, aber die Kunden, die auf die Annoncen für "Ganzkörperbehandlung" in "Massageinstituten" reagieren, wissen, worum es geht.
Das soll jetzt anders werden, gelobt eine Feministinnengruppe, die sich "Stora Systir" "Große Schwester" nennt. "Big sister is watching you", droht sie frei nach Orwell den Hurenkunden. 59 Namen, 117 Telefonnummern und 29 Mailadressen potenzieller Sexkäufer hat sie der Polizei schon übergeben, die jetzt untersucht, ob und wie sie das Beweismaterial nutzen kann. "Die Behörden sind nicht willig einzugreifen, also müssen wir dafür sorgen, dass die Gesetze eingehalten werden", verkündete eine anonyme Aktivistin in einem Radiosender.
Sie und ihre Mitstreiterinnen nennen sich "Untergrundheer im Krieg gegen die Prostitution". Erst schalteten sie eine Anzeige auf der als "Fleischmarkt" bekannten Dating-Site "Einkamal" - mit gewaltiger Reaktion von Männern, denen es auch nichts ausmachte, wenn sich der Lockvogel als unter dem sexuellen Mindestalter präsentierte. Dann gingen sie weiter zu Websites wie "mypurplerabbit" und zur auflagenstärksten Zeitung "Frettabladid" und boten dort Dienste feil. Dann notierten sie Namen und Nummern derer, die sich meldeten, verabredeten Stelldicheins und verfolgten die Spuren, die ein Computerchat selbst dann hinterlässt, wenn der Anrufer glaubt, anonym zu sein. "Wir haben Helfer, die sich auskennen", sagen die "Schwestern".
Rund 50 von ihnen gingen maskiert an die Öffentlichkeit. Dort ist die Stimmung gespalten. Während manche die Aktion begrüßen, geht sie anderen zu weit. Brynjar Nielsson, Richter am Obersten Gerichtshof, nennt die Aktivistinnen "politische Extremisten", die die Menschen zu Straftaten verlockten. "Prima, dass sich so viele Frauen engagieren", findet hingegen Steinunn Gyduog Gudjohnsdottir von einer Selbsthilfegruppe für Sexopfer: "Das Sexkaufverbot gibt es seit zwei Jahren, doch noch nichts ist geschehen". "Stora Systir" fordert ein Verbot von Websites, die der Prostitution Vorschub leisten. "Niemand ist mehr sicher", warnt die Gruppe.
http://www.swp.de/ulm/nachrichten/politik/Niemand-ist-mehr-sicher;art4306,1182940
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