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Samstag, 04.06.2011:

Erben lassen pensionierte Bankerin ermorden

Erst sah es aus wie ein Raubüberfall, dann entpuppte es sich als Auftragsmord. Eine Bankerin im Ruhestand hatte die Tochter ihres verstorbenen Lebensgefährten als Alleinerbin eingesetzt. Doch die soll zusammen mit ihrem Mann einen Killer angeheuert haben, um möglichst schnell zu erben.


Habgierige Erben haben in Krefeld eine pensionierte Bank-Prokuristin ermorden lassen, um schneller «im Geld zu baden». Das gut betuchte Ehepaar soll vor zweieinhalb Monaten einen bulgarischen Zuhälter als Killer auf die 75-Jährige angesetzt haben. Die 23 000 Euro Sold für den mutmaßlichen Killer bezahlten sie mit dem Sterbegeld der alten Dame, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft am Montag in Krefeld. Die 75-Jährige besaß 150 000 Euro Geldvermögen und mehrere Eigentumswohnungen. Das goldfarbene Handy des Opfers wurde den Mördern zum Verhängnis. Es lag in einem Mehrfamilienhaus in Mönchengladbach, das den Erben gehörte.

Zunächst war die Mordkommission von einem klassischen Raubmord ausgegangen und hatte 1500 junge Krefelder zur Speichelprobe gebeten. Doch der Aufwand war vergebens. Sechs Wochen nach der Tat tauchte dann eine ganz andere Spur auf, der Fall nahm eine dramatische Wende. Das goldfarbene Handy des Opfers wurde wieder eingeschaltet und konnte in Mönchengladbach bei einem Zuhälter geortet werden, der in einem Haus der Erben wohnte.

Gegen einen 43-jährigen Informatiker aus dem Kreis Heinsberg und seine 40-jährige Frau wurden Haftbefehle wegen Mordes erlassen. Beide legten Geständnisse ab. Das DNA-Profil des 29-jährigen Zuhälters stimmt mit den DNA-Spuren am Hals des Opfers und an leeren Schmuckschatullen in der Wohnung überein.

Der zwölfjährige Sohn des mutmaßlichen Mörderpaares erfuhr am vergangenen Freitag, dass seine bis dahin als bieder und unbescholten geltenden Eltern verhaftet wurden. Sie hatten finanziell keine Sorgen und sogar auf Bitte der Polizei selbst eine Belohnung zur Aufklärung des Falls ausgesetzt.

Die 40-Jährige war zur «besten Freundin» der 75-Jährigen geworden. Das Verhältnis galt als eng und gut. «So etwas haben wir noch nicht erlebt», sagte der leitende Mord-Ermittler Gerd Hoppmann. Treibende Kraft sei ihr 43-jähriger Ehemann gewesen. Er hatte sein Mehrfamilienhaus in Mönchengladbach an die bulgarische Zuhältergruppe als Bordell vermietet und auch den Internet-Auftritt für das Etablissement gestaltet.

Ein Sondereinsatzkommando hatte am Sonntag das Bordell gestürmt, nachdem das Handy des Opfers dort geortet worden war. Unter einem Bett in dem Haus klingelte das Handy dann tatsächlich, als Chef-Ermittler Hoppmann die Nummer wählte.

Der Kopf der Zuhälter, Risto I., auch Richie genannt, soll den Mordauftrag ausgeführt und die 75-Jährige erwürgt haben. Nach dem Mord hatte sich die 40-jährige Alleinerbin einen Brillantring im Wert von 16 700 Euro bestellt.



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