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Donnerstag, 18.11.2010:
Ermittler „unterbrechen Betrieb“ in Bordell
Verdacht auf Steuerhinterziehung in Club nach anonymer Anzeige - Durchsuchung mit 100 Einsatzkräften - „Hells Angels“
Zumindest die Herren hatten sich sicherlich auf einen unterhaltsamen Abend in Pohlheim gefreut. Und die Damen wollten wohl einfach nur ihrer Arbeit nachgehen. Doch für alle Anwesenden verlief der Abend in dem großzügigen Bordell ganz anders als erwartet. Denn gegen 20 Uhr wurde „der Betrieb“ von Einsatzkräften der Polizei unterbrochen. Die anwesenden Personengruppen wurden getrennt und anschließend durchsuchten rund 100 Strafverfolger das Etablissement. „Wir ermitteln wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung“, bestätigte ein Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft gestern im Gespräch mit dem Anzeiger. Es sei nämlich davon auszugehen, dass alle bisher in dem „Club“ erwirtschafteten Einkünfte der Prostituierten nicht versteuert worden sind. Weder durch die Mitarbeiterinnen selbst noch durch die Betreiber des Bordells. Deshalb wurde nicht nur das Etablissement im Kreis Gießen, sondern auch drei Wohnungen der Verantwortlichen in Gießen und Frankfurt durchsucht. Und dabei konnten zahlreiche Unterlagen beschlagnahmt werden, die in Kartons verpackt und dann von mehreren Autos abtransportiert wurden. An der Aktion waren rund 100 Polizeibeamte, Steuerfahnder und Staatsanwälte beteiligt.
„Die Durchsuchung verlief problemlos“, so der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde. „Es kam zu keinen Widerstandshandlungen.“ Angetroffen wurden in dem Bordell rund 40 Freier sowie etwa 30 Prostituierte. Vor allem die Herren seien „perplex“ gewesen angesichts des unerwarteten Besuchs. Von ihnen seien jedoch lediglich die Personalien festgestellt worden. Danach konnten sie den Club verlassen. Bei den Mitarbeiterinnen habe es sich fast ausschließlich um „junge Frauen aus Osteuropa“ gehandelt. Auch ihre Personalien seien festgestellt sowie die Ausweispapiere kontrolliert worden. „Anschließend wurde jede von ihnen vernommen.“ Deshalb auch waren zahlreiche weibliche Beamte im Einsatz.
Von den Betreibern des Bordells „wurde vor Ort niemand angetroffen“, erläuterte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Eingeleitet worden seien bislang Ermittlungsverfahren gegen einen Mann aus Gießen und drei Männer aus Südhessen. „Es besteht der Verdacht, dass sie der Gruppe Hells Angels zugehören.“ Inzwischen habe sich ein Rechtsanwalt aus Frankfurt bei den Strafverfolgern gemeldet, der einen Beschuldigten vertritt.
Ausgangspunkt war demnach eine anonyme Anzeige. „Diese war so detailliert, dass wir davon ausgehen, dass sich diese Person gut auskennt.“ Weitere Ermittlungen hätten dann den Verdacht erhärtet, dass die Einkünfte der Prostituierten tatsächlich nicht versteuert worden seien. Da der Club erst vor einigen Jahren eröffnet wurde, erstrecken sich die Prüfungen auf diesen gesamten Zeitpunkt. Ausgewertet werden die beschlagnahmten Unterlagen nun von der zuständigen Steuerfahndung Wetzlar. Die Mitarbeiter müssen dabei zunächst feststellen, wie hoch die Einkünfte des Bordells tatsächlich sind sowie ob und in welchem Umfang Steuern hinterzogen worden sind. Geprüft werden müsse aber auch, ob womöglich die Prostituierten selbst für die Versteuerung ihrer Einnahmen verantwortlich sind. Dann müssten nämlich auch Ermittlungsverfahren gegen die Frauen eingeleitet werden.
Die Durchsuchung des Clubs im Kreis Gießen hat sich bis gegen 1 Uhr hingezogen. Solange „war der Betrieb unterbrochen“. Allerdings hätten auch einige der Herren gewartet, bis die Aktion beendet war und die Strafverfolger wieder abgezogen seien. Ein potentieller Gast allerdings, der im Verlauf des Abends per Taxi angereist sei, habe sich beim Anblick der Einsatzwagen gegen das Aussteigen entschieden. „Das Taxi fuhr mit quietschenden Reifen davon.“
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