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Mittwoch, 22.06.2011:
Ex-Bandido-Chef soll Frau zur Prostitution gezwungen haben
Kiel - Ein Bandido soll eine junge Frau fünf Jahre lang mit massiver Gewalt zur Prostitution gezwungen haben. Am Montag begann der Prozess gegen den Ex-Bandido-Chef von Neumünster. Die 29-Jährige ist Hauptbelastungszeugin und im Zeugenschutzprogramm.
Kiel - „Du gehörst mir. Du bist mein Eigentum“ und „Ich zerschneid’ Dir das Gesicht und versenk Dich in der Förde“ — so soll der Ex-Bandido-Chef von Neumünster eine junge Frau aus Lübeck jahrelang zur Prostitution gezwungen und abkassiert haben. Von 2005 bis 2009 habe der 48-Jährige die Frau mit schweren Misshandlungen und brutalen Drohungen in Kiel, Hamburg und Timmendorf für sich anschaffen lassen, sagte der Staatsanwalt am Montag beim Prozessauftakt vor dem Kieler Landgericht.
Dabei wurde die heute 29-Jährige auf seine Anordnung hin im Bordell auch per Video und Telefon überwacht, bekam Aufpasser und Testfreier, die dem Rocker berichten mussten. Ihr gelang erst Ende 2009 die Flucht, als er sie auch in Stuttgart und Frankfurt für sich ins Bordell schicken wollte.
Der Angeklagte bestritt über seinen Verteidiger alle Vorwürfe. Er muss sich auch wegen zwei Fällen von Körperverletzung verantworten. Dabei wirft ihm die Anklage vor, als Racheakt im September 2009 einen Rocker der rivalisierenden Hells Angels aus Rache zusammengeschlagen und lebensgefährlich verletzt zu haben. Der damalige Flensburger Hells-Angels-Chef hatte zuvor einen Bandido auf der A7 bei Flensburg so bedrängt, dass der Mann auf seinem Motorrad schwer verunglückte. Laut Anklage soll der Rocker auch in der Untersuchungshaft einen Mithäftling körperlich massiv attackiert haben.
Die junge zierliche Frau mit den langen blonden Haaren kommt nach eigenen Worten aus ganz armen Verhältnissen: „Ich hatte nie Geld.“ Sie schlitterte in eine Beziehung mit dem Angeklagten, weil sie von den Rockern, Luxus-Motorrädern und Einladungen beeindruckt war. „Es war imposant, durch die Gegend zu fahren, schick essen zu gehen.“ Doch das kam sie teuer zu stehen, wie sie immer wieder leise weinend berichtete.
Während er 2004 noch in Haft war und nur am Wochenende freikam, hätten sie ihre Beziehung begonnen, sagte die Zeugin vor Gericht. Ihr sei dann schnell klargemacht worden, dass sie anschaffen musste. Er habe gesagt, jeder brauche eine Frau, die das mache. Anfangs habe sie noch Geld behalten dürfen — die Wohnung, sein Auto und die Lebenshaltungskosten musste sie aber von Beginn an bezahlen, schilderte sie. Bald habe sie alles abgeben müssen. Es habe aber auch immer wieder Zeiten gegeben, in denen der Mann sehr nett zu ihr gewesen sei.
Der Angeklagte hatte den Angaben zufolge auch Vollmachten für ihr Konto und ein Schließfach, in dem sie 10 000 Euro zur Vorsorge deponiert hatte. Phasenweise habe er sie stark überwacht, dass sie alle sozialen Kontakte verloren habe: „Ich durfte nicht mit anderen Männern reden, nicht mit jeder Frau, bekam Sprechverbot“, erzählte die Nebenklägerin, die im Zeugenschutzprogramm ist.
Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt. Es sind acht weitere Verhandlungstage angesetzt.
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