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Montag, 02.01.2012:
Ganz Dortmund wird Sperrbezirk
Die Anwohner der Nordstadt wollten nicht mehr, dass Prostitution ihr Straßenbild prägt und die Polizei machte Druck. Deshalb wurde im Jahr 2000 die Straßenprostitution in die Ravensberger Straße verlagert. Und deshalb wurde der Straßenstrich am 16. Mai 2011 wieder geschlossen.
Wieder setzten sich Nordstadtbewohner dafür ein, wieder wirkte die Polizei darauf hin.
Die Grünen wünschten bessere hygienische Verhältnisse – während die Nordstadt-Politiker von SPD und CDU die Abschaffung forderten. Die „unhaltbaren Zustände“ müssten beseitigt werden, rief SPD-Ratsfrau Marita Hetmeier aus und stellte sich an die vorderste Front im Kampf um die Straßenstrich-Schließung.
Als die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord am 9. Februar die Auflösung beschloss, glaubte OB Ullrich Sierau noch, dass eine Schließung einen Rückzug des Milieus in die Illegalität bedeute. Einen Monat später änderte Sierau seine Meinung – Polizeipräsident Hans Schulze hatte Alarm geschlagen, zog einen Zusammenhang zwischen anwachsender Kriminalität und Straßenprostitution. Seine These: Der Straßenstrich sei zentraler Anziehungspunkt für Bulgaren und Rumänen, die NRW-weit auch in der Polizeistatistik auftauchten.
Bis zu 700 bulgarische Prostituierte
Die Polizei zählte Ende Februar bis zu 700 bulgarische Prostituierte in Dortmund und weit über 1000 Männer im Schlepptau. Doch nicht nur mit Kriminalität wurden die Bulgaren und Rumänen – die Roma – in Verbindung gebracht. Die Menschen, die seit 2007 zwar ohne Visum einreisen, aber hier nur selbstständig arbeiten dürfen, wurden auch in den so genannten Problemhäusern angetroffen, in völlig überlegten Wohnungen.
Der erschreckendste Fall zeigte sich an der Münsterstraße 255. Anfang Februar musste die Stadt wegen erheblicher Gesundheitsgefahren das Haus räumen lassen. Kaum noch ein Toilette funktionierte, Fäkalien rannen durch den Hausflur, mittendrin Kinder.
Und so erarbeiteten Stadt und Polizei ein Konzept für einen Sondereinsatz. Obwohl Ende März die Prosituierten demonstrierten, Hilfsorganisationen wie die Kober vor der Schließung warnten, beschloss der Rat, ihn dicht zu machen. Die Bezirksregierung folgte dem Antrag – am 17. Mai war die Ravensberger Straße wie leer gefegt.
Zeitgleich wurde der Sperrbezirk für Straßenprostitution auf das Stadtgebiet ausgeweitet. Die Polizei verstärkte ihr Personal in der Nordstadt zu einem Großeinsatz. Und die Task Force wurde eingerichtet: 45 Mitarbeiter aus mehreren Ämtern zeigten fortan Präsenz, kontrollierten Spielhallen, Teestuben oder eben Problemhäuser. Die Stadt richtete Arbeitsgruppen zur Situation in der Nordstadt ein, die sich zum Beispiel mit dem Zuzug aus Osteuropa beschäftigen sollen.
Vorläufige Bilanz: Die Ergebnisse könnten kaum besser sein, findet OB Sierau. Die Kriminalität sei ein halbes Jahr nach der Schließung um zehn Prozent gesunken, die Prostituierten, bis auf wenige, aus dem Stadtbild verschwunden.
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