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Donnerstag, 10.11.2011:
Geldautomat in Bordell gibt Rätsel auf
Ein Geldautomat ist im Normalfall ein ziemlich eindeutiges Gerät - nur wer die richtige Karte samt PIN-Nummer und ausreichend Geld hat, bekommt etwas ausgezahlt. An einem Gerät soll das anders gewesen sein. Es zahlte über Stunden fast 19 000 Euro aus, jemand hat das Geld mit einer EC-Karte in Tranchen abgehoben.
Angeklagt ist der Hausmeister eines Bordells in der Lupinenstraße - dort steht der Geldautomat. Und es war die EC-Karte der Mutter des Hausmeisters, die benutzt wurde. Üblicher Nutzer der Karte: der Angeklagte selbst. Er hatte jedoch bei der Polizei später angegeben, die Karte zuvor verloren zu haben. Im Prozess vor dem Amtsgericht schweigt er. Die Frage ist nun: Hat er den Technikfehler an dem Automaten bemerkt, ausgenutzt und so sein eigenes Guthabenkonto bis tief ins Minus abgeräumt? An einem funktionierenden Automaten kann von einem Guthabenkonto nur abgehoben werden, was sich darauf befindet, mehr nicht.
Manches, was am ersten Verhandlungstag vor dem Amtsgericht noch klar schien, ist es gestern nicht mehr. So die Rolle der PIN-Nummer. Ursprünglich war davon ausgegangen worden, dass der Geldautomat wegen eines seltenen Fehlers Geld ausspuckte, obwohl die falsche Nummer eingegeben worden war. Gestern nun betont ein Mitarbeiter eines IT-Unternehmens, das für die Überwachung des Geldautomaten zuständig ist: Der Täter müsse die richtige Nummer eingegeben haben. Richter Helmut Bauer erklärt in dem kleinen Verhandlungssaal, was das bedeutet. "Für den Fall, dass es wirklich nur mit der PIN funktioniert hat, haben Sie schlechte Karten", sagt er zu dem Angeklagten.
Als Zeugen versuchen Mitarbeiter des Software-Unternehmens und der Firma, die den Automaten im Bordell aufgestellt hat, Licht in technische Fragen zu bringen. Es gelingt nur teilweise. Als sicher gilt, dass das Gerät einen Fehler hatte und unberechtigt Geld auszahlte. Nach jeder zweiten Auszahlung stellte sich der Geldautomat selbst ab, der Täter hat ihn durch das Ziehen und Wiederanschließen des Stromsteckers jeweils neu gestartet. Auch die Betreiberin des Bordells sagt als Zeugin aus - ihr sei nichts aufgefallen, den Angeklagten beschreibt sie als zuverlässig.
Ob dieser der Täter ist, muss das Gericht klären. Dabei helfen sollen zahlreiche weitere Zeugen. Die nächste Verhandlung findet am 25. November, 9.30 Uhr, statt.
http://www.morgenweb.de/region/mannheim/artikel/20111109_mmm0000002446200.html
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