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Freitag, 09.04.2010:
Gürtel-Bosse bei Großrazzia aus dem Verkehr gezogen
Einer Sonderkommission des Bundeskriminalamts ist ein schwerer Schlag gegen die Wiener Rotlicht-Szene gelungen. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, am Dienstag der APA bestätigte, wurden am Wochenende mehrere "Gürtel-Größen" festgenommen und zahlreiche Hausdurchsuchungen durchgeführt. Details gab Jarosch keine bekannt, da die Ermittlungen noch im Laufen sind und weitere Festnahmen folgen könnten.
Fest steht, dass für Richard St., der als Kopf der am Wiener Gürtel etablierten Szene gilt, am Sonntag in München die Handschellen klickten. Der gebürtige Kroate soll von der Aktion völlig überrascht worden sein. Der gebürtige Kroate sei eben erst aus der Dominikanischen Republik zurückgekommen und glaubte zunächst an eine normale Passkontrolle. Dann klickten die Handschellen. Der Verdächtige sei in Begleitung einer Dame festgenommen worden, hieß es am Dienstag.
Dem Zugriff waren monatelange Ermittlungen des Bundeskriminalamts vorangegangen, die länderübergreifend geführt wurden: Bis zu zwölf Personen wurden aus dem Verkehr gezogen, wobei ein mutmaßlicher Handlanger des 37-jährigen Kroaten in Spanien in Gewahrsam kam.
Mutmaßlicher Boss-Vize festgenommen
Der Großteil der Verdächtigen - darunter auch der angebliche "Vize" von Richard St., Dusan R. alias "Rocky" - wurde bereits ins Wiener Landesgerichtliche Gefangenenhaus überstellt. Über sieben Männer wurde inzwischen die U-Haft verhängt, gab Gerichtssprecher Christian Gneist bekannt. Weitere Verdächtige landeten zunächst in den Justizanstalten Korneuburg und Eisenstadt, werden in den kommenden Tagen aber in die Bundeshauptstadt "übersiedelt".
Der Verdächtige mit dem Spitznamen Repic alias "der Zopf" wiederum sei bei seiner Festnahme am Ostersonntag verletzt angetroffen worden. Der angebliche Anführer einer Schutzgeldtruppe hatte demnach eine Schusswunde an der linken Hand. Die Verletzung dürfte schon mehr als eine Woche alt sein.
Großer Lauschangriff im "Pour Platin"
Über Monate wurde die mutmaßliche Rotlicht-Zentrale, das Wiener Gürtel-Bordell "Pour Platin" (im Bild bei einer früheren Razzia), mit Kameras und Wanzen wie in einem James-Bond-Film lückenlos überwacht. Egal, ob Liebesgeflüster bei Schäferstündchen in den Zimmern, die Pläne der Unterwelt – aber auch Society-Tratsch bei der Buch-Präsentation "Der Wiener Gürtel" von Grünen-Chefin Madeleine Petrovic; Staatsanwältin Kerbl-Cortella und ein Richtersenat hörten in der Erotik-Bar alles mit.
Spektakulärer Zugriff mit Hilfe der Cobra
Ausgerechnet am Ostersonntag gab das Bundeskriminalamt dann den Befehl zum Zugriff: Um 7 Uhr früh stürmten 80 schwerbewaffnete Cobra-Beamte Wohnungen und Nachtlokale. Mit Richard St., Besitzer mehrerer Bordelle, sitzt sein gesamter Mitarbeiterstab (für alle gilt die Unschuldsvermutung) in Haft, insgesamt elf Verdächtige. Und die Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Unterwelt-Bosse nach der Abhöraktion im "Kino" – so wird das "Pour Platin" in Rotlichtkreisen genannt – sind schwerwiegend.
Die Palette an Verdachtsmomenten reicht von Schutzgeld-Erpressung (es gibt eine Liste mit mehr als 20 Nachtlokal- und Discobesitzern im halben Land) über Geldwäsche und Menschenhandel bis hin zu Mordversuch. Brisanz gewinnen die Ermittlungen zudem durch prominente Namen, die im Wiener Gürtellokal aus und ein gingen. Weitere pikante Überraschungen sind deshalb nicht auszuschließen.
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