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Sonntag, 27.06.2010:
Hätte schnellere DNA-Analyse Tat verhindert?
Hätte eine schnellere DNA-Analyse von Spuren vom Tatort eines brutalen Raubes in Dortmund den Mord an der Prostituierten Eunice Okojie in Hagen verhindern können? Die Opferschutz-Organisation Weißer Ring erhebt Vorwürfe.
Es war genau einen Monat nach Weihnachten, als die Prostituierte Eunice Okojie tot in ihrem Zimmer in einem Bordell an der Düppenbecker Straße gefunden wurde. Die 24-jährige Frau aus Nigeria war gefesselt und erdrosselt worden. Auf der Anklagebank vor dem Landgericht Hagen sitzt Abbas Kassem F. Ein 26-jähriger Libanese, der vier Monate zuvor eine ähnliche Tat in einem Dortmunder Bordell begangen haben soll. Dass die junge Frau - wie das Hagener Opfer eine Schwarzafrikanerin - den brutalen Überfall überlebte, dürfte Eunice Okojie zum Verhängnis geworden sein.
Gebrauchtes Kondom gesichert
Denn: Auch am Dortmunder Tatort wurden Spuren gesichert. Darunter ein gebrauchtes Kondom. Allerdings wurden diese Spuren, die im Oktober gefunden wurden, nicht unmittelbar von den Experten des Landeskriminalamts analysiert. Weil es sich „nur“ um einen Raub und nicht (wie in Hagen) um einen Mord handelte, lagen die Ergebnisse erst am 24. April vor.
Mit einem rechtzeitigen DNA-Abgleich aber hätte man Abbas Kassem F. schon im Herbst letzten Jahres, lange vor der Tat in Hagen, auf die Spur kommen können. Seine Daten sind in der Zentraldatei seit 2003 gespeichert. Seinerzeit hatte der Lüdenscheider eine Spielhalle überfallen. Aufgrund der Übereinstimmung mit Hagener Tatortspuren wurde er wenige Tage nach dem Mord verhaftet.
„Zügige Bearbeitung erwarten“
„Natürlich kann man nicht bei jeder Tat den ganzen Apparat in Bewegung setzen“, sagt Helmut K. Rüster, Sprecher der Opferschutzorganisation Weißer Ring, „aber bei einem Gewaltverbrechen können Opfer und Bürger eine zügige Bearbeitung erwarten. Es ist mir völlig unverständlich, dass keine schnelle Aufklärung erfolgt ist. Bei einer verzögerten Analyse ist das Risiko weiterer Taten erheblich.“
Der Fehler steckt nach Ansicht des Weißen Rings im System. „In ihren Sonntagsreden geben Politiker gerne vor, mehr für die innere Sicherheit zu tun“, so Rüster weiter, „aber dann muss man Ermittlungsbehörden mit einem entsprechenden Instrumentarium ausstatten. Hinzu kommt, dass viele Stellen chronisch unterbesetzt sind.“
Wust von Proben beim LKA
Dass sich das Landeskriminalamt einem riesigen Wust von Proben gegenüber sieht, weiß auch Oberstaatsanwalt Wolfgang Rahmer, der in Hagen die Ermittlungen geleitet und Anklage erhoben hat: „In den letzten Jahren sind die Untersuchungsmethoden an den Tatorten besser geworden. Folglich müssen mehr Spuren analysiert werden.“ Das Erstellen einer DNA sei ein sehr aufwendiges Verfahren. „Man kann schnell analysieren, aber nicht in jedem Fall. Das LKA ist gezwungen, die eingehenden Proben zu klassifizieren.“ So sei es nicht ungewöhnlich, dass es manchmal bis zu einem Jahr dauert, bis die Spuren eines Einbruchs entsprechend analysiert seien. Auch die Bearbeitungszeit im Falle des Raubs an der Prostituierten in Dortmund hält Rahmer für normal.
Rahmer betont, wie schnell die Ermittlungen in Hagen zum Erfolg geführt hätten: „Bereits eine Woche nach dem Mord konnten wir einen Verdächtigen durch eine DNA-Analyse aufspüren und festnehmen. Drei Wochen später haben wir Anklage erhoben.“
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