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Montag, 24.10.2011:
"Hell's Angels" sollen Zuhälter erstochen haben
Das "Palace" bietet seinen Gästen offensichtlich recht vielfältige Möglichkeiten zum Zeitvertreib. "Sauna-Club" heißt das Etablissement am Mahlsdorfer Kötteritzweg nahe der Kleingartenkolonie, Nachbarn wissen, dass es ein Bordell ist. Aber die Gäste gehen nicht allein wegen der Mädchen dorthin. Man sei oft abends zum Essen dorthin gefahren, sagt eine Zeugin, weil dort gut gekocht wurde.
Gut getrunken wurde im "Palace" offenbar auch. Nach einem Zechgelage im November 2002 lag ein 41-jähriger Mann tot am Boden. Es heißt, er hatte als Zuhälter in der Oranienburger Straße das Sagen. Er starb durch einen Messerstich ins Herz. Seit gestern stehen zwei Männer wegen Totschlags vor dem Landgericht. In der Anklage steht, dass sie dem Rockerclub "Hell s Angels" angehören. Einer der beiden ist gar der Präsident des Berliner Chapters der "Hell s Angels". Die Motorradrocker, sonst auf ihren Harleys in schwarzen Lederjacken mit geflügelten Totenköpfen unterwegs, tragen im Gericht helle Hemden und wirken verhältnismäßig brav. Ihren Anwälten ist es sehr wichtig, immer wieder zu sagen, dass die Tat nichts, aber auch gar nichts mit der Rockergruppe zu tun habe. Ausgangspunkt sei vielmehr "eine ganz gewöhnliche Kneipenschlägerei" gewesen. Etwa 40 Gruppen in Deutschland Die Berliner "Hell s Angels" sollen in keinem schlechten Licht erscheinen. Immerhin standen in anderen Bundesländern schon etliche Mitglieder des Motorradclubs unter anderem wegen Förderung der Prostitution, Waffenbesitzes oder Drogenhandels vor Gericht. Die Rockergruppe, 1948 von Militärpiloten in den Vereinigten Staaten gegründet, gibt es seit 1997 in Deutschland. In Düsseldorf und Hamburg, wo die ersten Gruppen gegründet wurden, sind die "Hell s Angels" inzwischen als kriminelle Vereinigung verboten. Experten schätzen, dass es in Deutschland rund 40 Gruppen mit etwa 700 Mitgliedern gibt. Hinzu kommen 1 300 Anhänger. Weil die Organisation ihren Nachwuchs sorgfältig wählt, dauert es in der Regel drei Jahre, um vom "Supporter" (Anhänger) zum "Member" (Mitglied) aufzusteigen. Die Ermittler gehen davon aus, dass die "Hell s Angels" in illegalen wie legalen Geschäften tätig sind, ihnen wird eine enge Verbindung zum Rotlichtmilieu nachgesagt. Bei dem Prozess in Berlin ist von Verquickungen dieser Art aber keine Rede. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Tod des Zuhälters etwas mit organisierter Kriminalität zu tun habe, sagt der Staatsanwalt. In der Anklage heißt es, dass die Angeklagten mit dem Zuhälter in Streit gerieten, weil dieser seine Rechnung nicht bezahlen wollte und ausfällig wurde. Die Rocker hatten sich nach der Tat selbst gestellt, vor Gericht verweigern sie die Aussage. Bislang ist nicht klar, wer von ihnen den tödlichen Stich ausführte. Die Tatwaffe ist verschwunden. Zeugen sagen, sie hätten bei der Schlägerei kein Messer gesehen, "nur ein Gewühl" von Menschen. Die Angeklagten hoffen auf den günstigsten Fall: Dass sie nur wegen gefährlicher Körperverletzung und nicht wegen Totschlags verurteilt werden. Weil der Messerstich niemandem zuzuordnen ist und weil es keine Beweise für einen gemeinsamen Tatentschluss gibt.
mehr Infos unter: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/nach-streit-in-bordell--club-praesident-vor-gericht--hell-s-angels--sollen-zuhaelter-erstochen-haben,10810590,10109426.html
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