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Freitag, 11.03.2011:
Italien: Die organisierte Kriminalität verdient mit
Prostitution in Rom findet nur auf der Straße statt, den Bordelle sind verboten. Ein weiterer blühender Gewerbezweig sind die sogenannten Escortagenturen. Aber die Rechtslage ist kompliziert.
Rom. Es schien ein Treppenwitz der Geschichte zu sein: 2008, nach seiner Wiederwahl, ernannte Silvio Berlusconi ausgerechnet ein Exmodel zur Frauenministerin. Und diese Mara Carfagna, vom Boulevard in ganz Europa prompt als „schönste Ministerin der Welt“ gefeiert, wollte sich bald nach ihrem Amtsantritt mit einem Gesetzesvorstoß profilieren, der Straßenprostitution in Italien unter Strafe stellte. Carfagna meinte es ernst, sehr ernst sogar. Sie wollte damit vor allem dem lukrativen Handel mit ausländischen Prostituierten einen Riegel vorschieben.
Denn die Rechtslage in Italien ist kompliziert – und lässt, wie so oft, sehr viel Raum für Interpretation. So ist Prostitution zwar offiziell nicht verboten, seit Ende der 1950er-Jahre aber sind, auf Druck des Vatikans, Bordelle und ähnliche Einrichtungen untersagt. Das bedeutet aber nicht, dass es in Italien keine Frauen gibt, die ihren Körper verkaufen, im Gegenteil. Vor allem die organisierte Kriminalität verdient glänzend am Geschäft mit dem Sex. Mindestens 70.000 Frauen bieten an den Ausfallstraßen der großen Städte ihre Körper an und sind den Zuhälterringen oft vollkommen ausgeliefert.
Jede Dritte ist minderjährig, fast jede Zweite kommt aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa und Schwarzafrika. Und viele wurden mit dem Versprechen ins Land gelockt, ein glanzvolles Leben mit gültigen Papieren in Italien leben zu können. Stattdessen werden vor allem Frauen aus Nigeria, dem Kongo und anderen afrikanischen Ländern von Anfang an systematisch in die Prostitution gezwungen und bekommen nie gültige Papiere – schon das macht gefügig. Auf 26 Milliarden Euro, so schätzt es das Innenministerium in Rom, beläuft sich der Umsatz jedes Jahr.
Ein weiterer blühender Gewerbezweig sind die sogenannten Escortagenturen, die Edelprostituierte für Hausbesuche anbieten. Seitdem bekannt geworden ist, dass auch Silvio Berlusconi derartige Dienstleistungen nicht verschmäht, haben sie internationale Berühmtheit erlangt. Vom 6. April an muss sich der Ministerpräsident wegen der Förderung von Prostitution mit Minderjährigen vor Gericht verantworten. Hier ist die Gesetzeslage eindeutig: Prostitution mit Minderjährigen ist verboten, bei einem Verstoß droht mehrjährige Haft.
Immer wieder wird auch in Italien heftig darüber diskutiert, ob Bordelle nicht wieder legalisiert werden sollten, um die Prostitution zu entkriminalisieren, doch scheitert das nicht zuletzt am Widerstand des Vatikans. Zuletzt sorgte der Vorschlag für Aufregung, ähnlich wie in Spanien wenigstens Rotlichtbars einzuführen.
Neue Regeln interessieren niemanden
Auch dem Vorstoß von Frauenministerin Carfagna ging es so wie vielen in Italien: Nach kurzer anfänglicher Aufregung – schließlich wurde auch den Kunden der Straßenmädchen mit hohen Geldstrafen gedroht – kümmert sich kein Mensch mehr um die neuen Regeln. Und an den Ausfallstraßen von Rom stehen wieder die sehr leicht bekleideten Mädchen aus Polen, der Ukraine und aus Nigeria. Sie heißen auch „lucciole“, „Glühwürmchen“, nach den kleinen Lichtern, die sie in der Hand halten, damit man sie in der Dunkelheit sieht.
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