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Dienstag, 20.12.2011:

Lieblingsprostituierte des angeklagten Polizisten zeigte sich gestern wenig aussagefreudig

NEURUPPIN - „Ich war richtig stolz, dass er immer nur zu mir wollte“, sagte gestern Katja B. Die heute 29-Jährige arbeitete nach eigenen Angaben im Jahr 2005 etwa ein halbes Jahr in dem von Dorota K. betriebenen Bordell in Bork bei Kyritz. Katja war diejenige, die am höchsten in der Gunst von Wolfgang K. stand. Der 52-jährige Polizist aus Kyritz steht wegen Bestechlichkeit und Geheimnisverrat seit dem 29. November vor dem Neuruppiner Amtsgericht.


NEURUPPIN - „Ich war richtig stolz, dass er immer nur zu mir wollte“, sagte gestern Katja B. Die heute 29-Jährige arbeitete nach eigenen Angaben im Jahr 2005 etwa ein halbes Jahr in dem von Dorota K. betriebenen Bordell in Bork bei Kyritz. Katja war diejenige, die am höchsten in der Gunst von Wolfgang K. stand. Der 52-jährige Polizist aus Kyritz steht wegen Bestechlichkeit und Geheimnisverrat seit dem 29. November vor dem Neuruppiner Amtsgericht.

Mit ihm sitzt die 44-jährige Dorota K. auf der Anklagebank, wegen Bestechung. Sie soll dem Beamten auf Liebesdienste einen Rabatt von 50 Prozent eingeräumt haben, insgesamt 91 Mal. Im Gegenzug versorgte er sie mit für ihren Betrieb wichtigen polizeiinternen Informationen.

Die Sache kam ins Rollen, weil Dorota K. ihren Mann angezeigt hatte. Bei den Ermittlungen stieß die Polizei auf ihren Kollegen Wolfgang K.

Katja B. zeigte sich gestern nicht sehr kooperativ. Die gelernte Verkäuferin konnte sich kaum an Daten erinnern. Wann sie nach Bork gekommen ist? Wie lange sie dort gearbeitet hat? Wie oft Wolfgang K. Kunde bei ihr war? Diese Fragen beantwortete sie höchst widerwillig und ausweichend. „Ich sage nicht, ich weiß es, sondern ich denke, es könnte so gewesen sein“, sagte die Mutter von zwei Kindern. Die Staatsanwältin verwies sie auf ihre polizeiliche Aussage vom November 2009 – da wusste sie noch viel mehr. Die Polizei hätte sie bedrängt und ihr Angst gemacht, so Katja B. gestern. Demnach hatte sie Wolfgang K. nach einer Kontrolle im Oktober 2005 kennen gelernt. Er kam in Zivil in das Etablissement und sprach länger mit Dorota K. „Dann wählte er mich aus“, sagte Katja B. Er sei dreimal die Woche ihr Kunde gewesen. An Sonderrabatte konnte sie sich nicht erinnern. Sie bekam immer ihren Anteil in Höhe von 25 Euro. „Ich wollte meine Kohle haben.“ Zwischen ihnen habe sich im Laufe der Zeit eine Art Freundschaft entwickelt, sagte Katja B. So habe er ihr zum Geburtstag oder zu Weihnachten kleine Geschenke gemacht. Im Januar 2006 zog Dorota K. nach Kyritz um. Drei Wochen später hörte Katja auf, als Prostituierte zu arbeiten. Im Juni 2006 heiratete sie.

Dorota K. gab gestern zu, Wolfgang K. mit Halterabfragen betraut zu haben. Auch zwei Personenanfragen waren dabei. Sie ging von 15 bis 30 Anfragen aus. Wenn sie Angst hatte, ob ein bestimmter Mann gefährlich sein könnte, habe Wolfgang K. nur gesagt: „Sei vorsichtig.“ Sie habe aber keine Hilfe von ihm bekommen, wenn es Probleme mit nicht zahlungswilligen Freiern gegeben habe.

Wolfgang K. gehörte demnach zu den zehn Prozent Kunden, mit denen auch privat erzählt wurde und die zu Feiern eingeladen wurden. „Da gab es kostenlos Getränke und Essen, keinen kostenlosen Sex“, sagte Dorota K. Er sei wie ein Gast in der Familie gewesen. „Er hat mir zum Beispiel bei Problemen mit meinem Ex-Mann geholfen“, sagte die 44-Jährige. Sie stritt vehement ab, ihm kostenlosen Sex gegen Informationen gewährt zu haben. Sie habe auch nicht Kunden durch ihn überprüfen lassen, die Frauen für Hausbesuche gebucht hatten. Und K. habe nie Frauen zu Freiern gefahren, betonte Dorota K.

Wolfgang K. habe ihr gesagt, seine Frau sei krank und er verdiene als Polizist wenig. „Ich habe den Rabatt aus Mitleid gewährt“, sagte Dorota K. Nach dem Umzug des Bordells nach Kyritz sei Wolfgang K. noch drei Mal Kunde bei ihr gewesen – bei drei verschiedenen Damen.

Am 2. Januar wird weiter verhandelt. Dann soll der Ex-Mann von Dorota K. gehört werden.



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