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Donnerstag, 27.05.2010:
Mit Voodoo Frauen zum Sex gezwungen
Bergkamen/Dortmund. Es sollte ein netter Abend in einem Saunaclub für den 44 Jahre alten Maurer werden. Doch ehe er sich versah, wurde er Mitwirkender in einer Geschichte um Menschenhandel und Prostitution, in die auch ein Bergkamener verwickelt ist.
Es sollte ein netter Abend in einem Dortmunder Saunaclub für den 44 Jahre alten Maurer aus Nottuln werden. Doch ehe er sich versah, wurde er Mitwirkender in einer unglaublichen Geschichte um Menschenhandel und Förderung der Prostitution, die seit Oktober vor dem Dortmunder Landgericht verhandelt wird und für die sich mehrere Afrikaner verantworten müssen, unter anderem ein 47 Jahre alter Bergkamener.
Der Maurer Emil B. (alle Namen geändert) rettete durch sein spontanes Handeln gleich vier junge Frauen: Anfangs lernte er die 22-jährige Prostituierte Jacky S. im Club kennen und lieben und schon beim zweiten Treffen schüttete sie ihm ihr Herz aus. Sie erzählte von dem Widerwillen, mit dem sie täglich ihren Körper verkaufte und der Angst, die ihr ständiger Begleiter geworden war. Spontan bat sie ihn gar um 80.000 Euro, die sie für ihre Peiniger abarbeiten musste, um endlich frei zu sein und ihren Pass zurück zu erhalten. „Jacky hatte keine Vorstellung davon, wie viel Geld das tatsächlich ist“, erzählte Emil B. als Zeuge gestern vor dem Landgericht. Er selbst machte kurzen Prozess, nahm die junge Nigerianerin bei der Hand und schleuste sie aus dem Club zu sich nach Hause.
Kein Pass, keine Sprachkenntnisse, verängstigt, verunsichert
Das war im Februar 2009. Mit Voodoozauber war sie – ebenso wie drei weitere junge Frauen – noch in ihrer Heimat Nigeria zum Sex und Schweigen gezwungen worden.
„Als wir bei mir waren, musste ich erst ein wenig nachdenken, was ich getan hatte, aber wo soll so ein Mädel denn hin?“ fragte Emil B. Sicherlich habe anfangs zwischen ihnen mehr als nur eine platonische Liebe bestanden, aber: „Mir ging es definitiv und erster Linie darum, ihr zu helfen.” Er wandte sich an die Polizei. Die erfuhr so nicht nur von dem Schicksal der jungen Jacky, sondern außerdem von dem der drei weiteren Frauen. Alle ohne Pass und Sprachkenntnisse, eingeschüchtert und verunsichert durch den Voodoozauber und in großer Angst vor ihren Schleusern: Die 39-jährige Hauptangeklagte und Strippenzieherin, Madeleine C., kassierte täglich nach durchschnittlich 15 Stunden Arbeit das Geld. War sie nicht zur Stelle, übernahm der ebenfalls angeklagte Bergkamener, Ismael B., diesen Job.
Die jungen Nigerianerinnen werden seit ihrer Befreiung von der Mitternachtsmission in Dortmund betreut und warten auf das Ende des Prozesses – die Urteilsverkündung soll im Juli stattfinden – und darauf, dass sie dann möglicherweise ein Leben ohne Angst führen können.
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