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Samstag, 08.10.2011:

Offenburger Industriegebiet droht zur Bordellmeile zu verkommen

Unmut im Gewerbegebiet Elgersweier: Offenbar gibt es mittlerweile mehr Hinterzimmerbordelle, als es Nachbarn und der Stadt lieb ist. Kommende Woche will man bei der Stadt darüber beraten, ob der Charakter des Gewerbegebiets noch gewahrt ist.


Offenburg. In Elgersweier, vor allem bei einigen Firmen im Gewerbegebiet, ist die Stimmung derzeit schlecht. Stein des Anstoßes ist, dass es immer mehr sogenannte Hinterzimmerbordelle gibt »Der Unmut dauert schon etwas länger«, bestätigt Ortsvorsteher Daniel Geiler: »Die Klagen kommen hauptsächlich von Betrieben.« Mit dem gemeinhin bekannten Club »Lancelot« habe man keine Probleme, betont Geiler.
Dort werde alles richtig geführt. Bereits im Mai hat er eine Liste von einigen Adressen in der Industrie- und der Robert-Bosch-Straße sowie An der Eich an die Baurechtsbehörde im Rathaus gegeben, wo Etablissements unterhalten werden. »Das sind fünf Betriebe, die sind definitiv da«, erklärt der Ortsvorsteher. Und: Die Baurechtsbehörde habe diese schon in Augenschein genommen, weiß er.
Die meisten hätten zwar ein Gewerbe angemeldet, seien aber nicht als Bordell eingetragen, so Geiler: »Wir als Ortsverwaltung haben allerdings keine Handhabe, diese Betriebe zu verbieten.« Da seien auch einige »nicht angemeldete Bordelle«, heißt es aus einem Unternehmen, das nicht genannt werden möchte. »Zwischen fünf und sieben« schätzt man dort die Anzahl der ansässigen Bordelle in der Nachbarschaft. »Wenn das um sich greift, bekommen wir langsam ein Image-Problem«, befürchtet man.
So wie in dieser Firma sehen es auch eine ganze Reihe weiterer Unternehmer. Nach OT-Informationen wird derzeit eine Interessengemeinschaft gegen die Hinterzimmerbordelle gegründet. Demnächst will diese offenbar öffentlich in Erscheinung treten

»Reich der Amazonen«
Viele der Stundenhotels oder Hinterzimmerbordelle seien nicht angemeldet, da sie sich nicht anmelden müssen, meint Erwin Drixler, Fachbereichsleiter Bauservice bei der Stadt Offenburg. Über die Liste, die Ortsvorsteher Geiler der Stadt zukommen ließ, sagt Drixler: »Wir wissen nicht, ob diese vollständig ist.« Er ist jedoch zuversichtlich: »Über die Nachbarschaft und die Ortsverwaltung bekommen wir das heraus.«
Nachdem ein vierter Antrag für einen Club wie das »Lancelot« oder das »Reich der Amazonen« eingegangen sei, überlege man jetzt, »ob nicht eine Schwelle erreicht ist, bei der man sagen muss: Halt! Jetzt muss man innehalten«, erklärt Drixler.
Mitte kommender Woche werde man sich im Rathaus darüber beraten, ob der Charakter eines Gewerbegebiets noch gewahrt ist.

Prostitutionsbetriebe sind nur innerhalb der Gemarkungsgrenzen Offenburgs nach der Sperrbezirksverordnung der Stadt zulässig, teilt die Pressestelle der Stadt mit: »Innerhalb der Gemarkungsgrenzen Elgersweier sind gemäß der Sperrbezirkverordnung Prostitutionsbetriebe lediglich im Industriegebiet zulässig.« Einige der Adressen, die Ortsvorsteher Geiler aufgelistet hat befinden sich jedoch im Gewerbegebiet.
»Prostitutionsbetriebe, Erotik-Massagen und ähnliche Tätigkeiten fallen nicht unter den Gewerbebegriff der Gewerbeordnung«, schreibt die Stadt weiter. Sie fügt außerdem hinzu: Die gewerberechtliche Anerkennung von Prostitutionsbetrieben werde generell versagt, da sie sittenwidrig seien.



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