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Mittwoch, 12.01.2011:

Polizist als "Schatzi" der Unterwelt

Ein Chefinspektor soll Figuren aus dem Rotlicht vor dem Blaulicht geschützt haben. Nahm er dafür sogar Geld?

Was sagt das über die Zustände bei der Exekutive aus, wenn ein Chefinspektor von Rotlicht-Bossen am Telefon "Schatzi" genannt wird? Und wenn sie sich untereinander zuflüstern: "Der reitet dich aus der Scheiße, aber er verlangt dafür auch Geld"?

Dass die Polizei "mit der Unterwelt verhabert ist", sagt Staatsanwalt Wolfgang Wohlmuth. Wobei der von ihm angeklagte suspendierte Chefinspektor Franz Pripfl die Grenze zur durchaus gewünschten und in Form von Zunds Früchte tragenden Zusammenarbeit mit dem Rotlicht überschritten habe (siehe Hintergrund). Das sei spätestens dann der Fall, wenn ein Informant in Anwesenheit des Beamten "kriminell" wird.

Der 53-Jährige - von Wohlmuth als "Spitze des Eisberges" gesehen - steht seit Montag wegen neunfachen Amtsmissbrauchs, Nötigung und Betruges in Wien vor Gericht. Sein "erschreckendes Netzwerk" zeige, "wie gefährlich ein korrupter Kriminalbeamter sein kann". Er unterwandere den Rechtsstaat, "Unschuldige sitzen im Gefängnis, und die Verbrecher sind frei."

So war es beim sogenannten "Cappuccino-Mord": In der Nacht zum 30. Mai 2006 wurde in bzw. vor dem Kaffeehaus in Wien-Hernals ein Gast erschossen. Um einen seiner Freunde aus der Unterwelt - bekannt als "Muki" - herauszuhalten, soll Pripfl einseitig ermittelt, einen falschen Täter aufgebaut, ein Vernehmungsprotokoll vernichtet und Zeugen zur Falschaussage angestiftet haben. Als das gezinkte Kartenhaus beim Prozess einstürzte und der vermeintliche Mörder nach eineinhalb Jahren U-Haft freigesprochen wurde, soll Pripfl die Spuren in eine andere Richtung gelenkt, mit der Kronzeugin ihre eingelernte neue Aussage geübt und dafür von seinem Unterwelt-Freund 20.000 Euro Belohnung kassiert haben. Der wahre Täter ist bis heute unbekannt.

Die Zusammenhänge sind schon kompliziert genug, man kann aber noch mehr Verwirrung stiften. Der Staatsanwalt präsentiert dem Gericht die verzweigten Verbindungen in Form eines Diavortrages; der Angeklagte wird als Strichmännchen mit Polizeikapperl dargestellt. Es wurlt nur so vor Namen, die mit -vic enden, und hat man sich endlich einen gewissen Petrovic gemerkt, kommt umgehend die Meldung: "Das ist aber ein anderer Petrovic."

An Indizien bietet der Staatsanwalt unter anderem ein Foto an, das Pripfl als Gast bei der Hochzeit eines Rotlicht-Chefs zeigt. Und Telefonate, die belegen sollen, wen er vor Zugriffen schützte. Zum Beispiel einen Mann, der demnächst seinen Prozess bekommt, weil er seinen Verteidiger zur Bestechung eines Staatsanwaltes angestiftet haben soll. Dass Pripfl Überstunden verbuchte, während er privat im Casino saß, wird noch darübergestreut.

Pripfl sagt, er habe seinen Informanten "schöne Erfolge" als Kriminalist zu verdanken, aber nie privaten Umgang gehabt.

 



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