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Donnerstag, 31.03.2011:

Polizisten sichern den Prozessauftakt

Oldenburg. Straßensperre, Autokontrollen, zahlreiche Einsatzkräfte der Polizei, mehrere Fernsehteams: In dieser Szenerie hat am Freitag vor dem Oldenburger Landgericht der Prozess gegen drei Mitglieder des Motorradclubs "Gremium MC" Vechta begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern, die seit September 2010 in Untersuchungshaft sitzen, insgesamt 20 Straftaten vor - die schwerwiegendste: versuchter Totschlag.


"Gremium MC" gilt als der letzte große Motorradclub deutschen Ursprungs, der sich keinem internationalen Club wie etwa den "Hells Angels" angeschlossen hat. Rund 50 Mitglieder - allesamt in den Clubfarben schwarz und weiß gekleidet - versammelten sich gestern Vormittag im Oldenburger Gerichtsviertel. Knapp die Hälfte von ihnen begab sich in den Sitzungssaal, sodass die Verhandlung wegen penibelster Personenkontrollen,die alle Besucher über sich ergehen lassen mussten, mit 20-minütiger Verspätung anfing.

Präsident sollte abgesetzt werden

Angeklagt sind ein 38-jähriger Cloppenburger, ein 35-jähriger Großenknetener und ein 40-jähriger Verdener. Was den Männern zur Last gelegt wird, ermöglicht einen Blick ins Innenleben des Motorradclubs: Der 38-Jährige, davon geht die Staatsanwaltschaft aus, wollte neuer Präsident von "Gremium MC" Vechta werden. Daher hätten die Angeklagten beschlossen, den damals amtierenden Präsidenten, genannt Ivan, am 24. Oktober 2009 im Vereinsheim zu überfallen und zu töten. Um Mitglieder in Schach zu halten, die sich gegen die Entmachtung stellen, wurde eine sogenannte schnelle Eingreiftruppe aus 60 bis 70 Clubmitgliedern organisiert.

Als die Angeklagten und ihre Verbündeten beim Vereinsheim ankamen, habe Ivan einen Schuss auf sie abgefeuert, wurde dann aber überwältigt und gefesselt. Die drei Angeklagten, so die Staatsanwaltschaft weiter, hätten auf den Clubpräsidenten eingeschlagen und ihm lebensgefährliche Kopfverletzungen zugefügt. "Dabei haben sie seinen Tod in Kauf genommen, vielleicht sogar eingeplant", heißt es in der Anklage. Das Opfer tritt im Prozess als Nebenkläger auf.

Mit Maschinenpistole zur Wehr gesetzt

Darüber hinaus warf die Staatsanwältin den drei Männern weitere Straftaten vor - unter anderem Nötigung, Körperverletzung, Verstoß gegen das Waffengesetz sowie zwei Schutzgeld-Erpressungen. Dabei sollen sie von Vechtaer Bordellbesitzern 500 Euro pro Monat verlangt haben. Auch ein erneuter Überfall auf Ivan steht auf der Liste: Demnach wollten der 38- und der 35-Jährige am 13. Februar 2010 von ihm mit Waffengewalt Geld erpressen. Das misslang jedoch, da der nun ehemalige Präsident sich mit einer Maschinenpistole zur Wehr gesetzt habe.

Ein weiterer Anklagepunkt sorgte für einen von mehreren Anträgen der Verteidigung. Laut Staatsanwaltschaft soll der Großenknetener Mitte 2009 geplant haben, einen Oldenburger Oberstaatsanwalt zu töten. Dazu kam es nicht. Trotzdem befand der Verteidiger, dass allein die Absicht des 35-Jährigen, einen Mann zu töten, "mit dem der Richter schon mehrmals Kaffee getrunken hat", einen fairen Prozess unmöglich mache. Daher stellte er den Antrag, das Verfahren wegen Befangenheit nach Verden abzugeben. Nach Ansicht erfahrener Prozessbeobachter dürfte es aber nicht dazu kommen.

Der Befangenheitsantrag änderte nichts daran, dass sich der Vorsitzende Richter um ein gutes Miteinander bemühte. "Bei diesem Verfahren ist ganz schön Druck auf dem Kessel", sagt er. "Vielleicht können wir alle ein bisschen Druck ablassen."

Richter ermahnt Clubmitglieder

Zum Beispiel, indem man gut zusammenarbeite und die schwersten Vorwürfe gebündelt und vorrangig kläre, um das Verfahren, bei dem nicht weniger als 20 Fortsetzungstermine angesetzt sind, abzukürzen. Die Verteidigung stimmte dem zu.

Auf der anderen Seite machte der Richter klar: "Zwar ist nicht jedes Mitglied eines Motorradclubs ein Krimineller, aber machen wir uns nichts vor: Ein Motorradclub ist kein Pfadfinder-Club, bei dem jeden Tag eine gute Tat Pflicht ist." Den "Gremium-MC"-Mitgliedern im Zuschauerraum gab er deutlich zu verstehen, dass jede Art von Druck, die in nächster Zeit auf einen der Zeugen ausgeübt werde, sich negativ für die Angeklagten auswirken könne.

Zeugen wurden zum Prozessauftakt nicht gehört. Auch die drei Angeklagten wollten sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern. Damit müssen die weiteren Verhandlungstage Klarheit über die für das Strafmaß entscheidende Frage bringen, ob beim Überfall auf Ivan ein versuchter Totschlag oder gefährliche Körperverletzung vorliegt. Fortgesetzt wird der Prozess am Dienstag.



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