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Mittwoch, 17.08.2011:

Prostituierte bestreitet Raub auf Freier

„Woher soll denn der Penner so viel Geld haben, Mann, und das am Ende des Monats?", wehrte sich gestern eine Bonner Prostituierte vor dem Landgericht gegen den Vorwurf, dass sie einen Freier ausgeraubt haben soll. 350 Euro will er bei sich getragen haben.


BONN - „Woher soll denn der Penner so viel Geld haben, Mann, und das am Ende des Monats?", wehrte sich gestern eine Bonner Prostituierte vor dem Landgericht gegen den Vorwurf, dass sie einen Freier ausgeraubt haben soll. 350 Euro will der 47-Jährige bei sich getragen haben, als er am 21. August 2010 am Bonner Straßenstrich eine Dienstleistung für 30 Euro ausgehandelt hatte. 20 Euro hatte er noch drauf gelegt, weil er, der von Sozialhilfe leben soll, den Service in einem Stundenhotel entgegennehmen wollte.

Was sich an dem Tag in dem Zimmer abgespielt hat, wird sehr unterschiedlich dargestellt: Laut Anklage soll die Prostituierte dem Freier 155 Euro aus dem Portemonnaie gezogen haben. Als er den Diebstahl bemerkt und die 37-Jährige darauf angesprochen habe, soll sie ihm eine leere Flasche Bier über den Kopf geschlagen und die Flucht ergriffen haben.

Die Prostituierte war empört über die Vorwürfe: Zunächst habe er sie „die Arbeit nicht machen lassen, die ich schnell erledigen wollte." Er habe da gelegen und habe nur reden wollen. Dann habe er plötzlich mehr von ihr gewollt, als vereinbart. Plötzlich habe er sie angesprungen, und wollte seine 50 Euro zurück. Da habe sie gesagt, das komme gar nicht in Frage, immerhin sei sie mit ihm bis zum Hotel gefahren. „Dann saß er auf mir und hat mich gewürgt. Da habe ich es mit der Angst bekommen, die leere Bierflasche genommen und zugeschlagen.“ Das sei Notwehr gewesen, betonte die 37-Jährige gestern. Der verletzte Freier hatte 2, 8 Promille Alkohol intus, und die Prostituierte zwar weniger Alkohol, aber dafür Drogen.

Als die Polizei die Flüchtige festhielt, fanden sie 155 Euro bei ihr. Aber auch dafür hat die Frau eine klare Antwort. „An diesem Tag bin ich auf Meile gegangen, weil ich kein Geld für Drogen hatte." Bevor sie mit dem 47-Jährigen ins Hotel gefahren sei, habe sie mit zwei Freiern bereits 115 Euro verdient, die sie im Körper versteckt hatte. „Was glauben Sie, Mann", klärte die Angeklagte das Gericht über das harte Geschäft auf, „wie viel Stress ich auf dem Strich schon gehabt habe, wenn ich das Geld nicht verstecke? Das ist der allersicherste Ort."

Ein Leben voller Abstürze

Seit ihrem 14. Lebensjahr führt die Angeklagte ein Leben zwischen Bordellen, Strich, Platte, Drogen, Gericht und Gefängnis. Insgesamt 25 Vorstrafen weist laut Richter ihr Strafregister aus, meistens wegen Diebstahls und Drogenbesitzes, aber auch wegen räuberischer Erpressungen und Betrügereien. Mit 16 Jahren erhielt sie die erste dicke Jugendstrafe. Zwischendurch gelangen der Frau, die zwei Kinder hat, die bei Pflegeeltern leben, vier Jahre, in denen sie clean blieb und eine Ausbildung zur Kauffrau machte. Dann folgten wieder Abstürze. Zuletzt wurde sie im Oktober 2010 vom Amtsgericht Bonn zu anderthalb Jahren Haft verurteilt.

Im März 2011 wurde sie beim Diebstahl in einer Apotheke erwischt. Seitdem sitzt sie in Strafhaft. Um ihr Leben finanzieren zu können, räumte die 37-Jährige ein, sei sie auf Diebestour gegangen. Es sei ihr nichts anderes mehr übrig geblieben, weil ihr Freund, „als der aus dem Knast war", ihr unter Androhung von Schlägen die Prostitution verboten habe. So habe sie sich und ihre zwei Kätzchen mit dem Klauen über Wasser gehalten. Der Freier soll am nächsten Verhandlungstag gehört werden.

http://www.rundschau-online.de/html/artikel/1313489088271.shtml



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