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Samstag, 05.11.2011:
Prostituierte mit Strom gefoltert
Halle. Vier Männer aus dem Kreis Gütersloh sollen eine Prostituierte überfallen und auf grausame Art und Weise gefoltert haben. Die mutmaßlichen Täter, die alle in Untersuchungshaft sitzen, müssen sich demnächst vor dem Landgericht Osnabrück unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung verantworten.
Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft waren sie am 12. Juli dieses Jahres in den frühen Morgenstunden maskiert in ein Bordell im niedersächsischen Ort Dohren eingedrungen, um eine dort tätige Prostituierte zur Herausgabe ihres angesparten Geldes zu zwingen.
Nach Angaben von Alexander Retemeyer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, hatten die Täter ursprünglich Geld vom Bordellbetreiber eintreiben wollen, das dieser ihnen wegen angeblich noch ausstehender Handwerksrechnungen geschuldet habe. Für ihren Überfall hatten sich die mutmaßlichen Täter schwer bewaffnet. Laut Anklage führten sie zwei Elektroschocker, ein Messer, einen Schlagstock und einen Gasrevolver mit sich.
In dem Bordell soll das Opfer zunächst an den Haaren von einem Raum zum nächsten geschleift, mit Pfefferspray traktiert und mit der Faust mehrfach ins Gesicht geschlagen worden sein. Einer der Angeklagten soll die Frau mit einem Kabelbinder gewürgt haben.
Als die Prostituierte danach immer noch nicht bereit war, ihre gesamten Ersparnisse herauszurücken, sollen die Schlagstöcke und die Elektroschocker zum Einsatz gekommen sein. Laut Anklage feuchteten die Täter die Haut ihres Opfers extra mit Wasser an, um die Wirkung der Stromstöße zu erhöhen. Anschließend habe man der Frau mit einem Messer tiefe Schnittwunden am Gesäß und am rechten Unterschenkel zugefügt und versucht, sie mit Gegenständen zu vergewaltigen, sagte Oberstaatsanwalt Retemeyer.
Schließlich habe das Opfer den Räubern 3.090 Euro ausgehändigt, die in diversen Socken versteckt waren. Die Täter nahmen das Geld, fesselten die blutende Prostituierte mit Kabelbindern und suchten das Weite, nachdem ihnen auch noch ein kleiner Tresor mit weiteren 1.200 Euro Bargeld in die Hände gefallen war.
Bei den Angeklagten, die sämtlich vorbestraft sind, handelt es sich um deutsche Staatsbürger im Alter von 23 bis 37 Jahren. Drei von ihnen stammen aus Halle, einer war zuletzt wohnhaft in Borgholzhausen. Bei dem Raub seien die Tatbeiträge noch unklar, erläuterte Rechtsanwalt Detlev Binder, der einen Angeklagten vertritt, auf Anfrage der Neuen Westfälischen.
Oberstaatsanwalt: Ganz üble Angelegenheit
Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer sprach von einer "ganz üblen Angelegenheit". Das Opfer (50) hatte durch die Folterungen schwere Verletzungen am gesamten Körper erlitten und musste länger im Krankenhaus behandelt werden.
Eine Prostituierte aus Polen (28), die mit einem der mutmaßlichen Täter seit vielen Jahren liiert ist, soll den Überfall erst ermöglicht haben. Laut Anklage war sie eingeweiht und hat den Räubern die Tür zum Bordell geöffnet, in dem niemand weiteres zugegen war. Die 28-Jährige muss sich nun wegen Beihilfe zum gemeinschaftlichen schweren Raub verantworten.
Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Retemeyer sollen zwei der Angeklagten enge Beziehungen zu der Rockergruppe Hells Angels unterhalten und eine "Vollmitgliedschaft" in deren Bielefelder Club anstreben. Derzeit stünden die beiden Angeklagten in der Rockergruppe erst im Rang eines sogenannten "Hangaround". Mit diesem Begriff werden bei den Hells Angels die Anwärter auf einen Mitgliedsstatus bezeichnet.
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