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Freitag, 08.04.2011:
Prostitution im Hinterzimmer
Nachbarn fühlen sich nicht mehr sicher / Gewerbliche Zimmernutzung nicht genehmigt
Bünde. Der Ort der käuflichen Liebe hat viele Namen: "Bordell", "Freudenhaus" oder ganz volkstümlich "Puff". Wie man es auch nennen mag, in dem Haus Brunnenallee 19a dürfte es nach Angaben des Ordnungsamtes ein solches Etablissement eigentlich nicht geben. Dennoch floriert seit einiger Zeit das angeblich älteste Gewerbe in zwei Wohnungen hinter einem Erotik-Shop. Miteigentümer der Geschäfts- und Privaträume ist Bündes stellvertretender Bürgermeister Christoph Lübeck.
Nur wenige Schritte vom Lukas-Krankenhaus entfernt, in den Hinterzimmern des Erotik-Fachgeschäfts "Nice-Erotic’s", wartet die käufliche Liebe. Drei Damen werben mit Anzeigen im Internet um Kunden. Wählt man eine der dort angegebenen Handynummern nennt eine junge Frau nicht nur die Preise ("100 Euro die Stunde"), sie verrät auch, wie Man(n) in das Etablissement kommt: "Am Sex-Shop in die Hindenburgstraße fahren, dann sofort links auf den Kundenparkplatz. Den Weg am Gebüsch vorbei gehen und bei Warenannahme Lady Nice klingeln."
Mehr Last als Lust verspüren direkte Nachbarn des besagten Betriebes. Was genau sich hinter der Eingangstür abspielt, können sie allerdings nur erahnen. "Immer wieder sind aus den Wohnungen Geräusche zu hören, die garantiert nicht vom Möbelrücken stammen", sagt eine Nachbarin. Eine andere Bewohnerin des Mehrfamilienhauses, das an der Hindenburgstraße liegt und über einen Durchgang mit den Räumlichkeiten des Erotik-Shops verbunden ist, beobachtet fast allabendlich mit Einbruch der Dunkelheit Männer, "die mit ihren Autos vorfahren, aussteigen, einen Blick in ihre Portemonnaies werfen, ein-, zweimal auf und ab laufen und dann den Weg zur Tür suchen." Regelmäßig fahre auch ein Auto mit CA-Kennzeichen (Calau in Brandenburg) vor und lasse junge Frauen aussteigen, so die Bewohnerin, die nicht namentlich genannt werden möchte. Sie habe Angst und fühle sich in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr geborgen.
Christoph Lübeck ist Miteigentümer der Geschäftsräume an der Brunnenallee 19a und einer der besagten Wohnungen in dem angrenzenden Mehrfamilienhaus an der Hindenburgstraße. Bündes stellvertretender Bürgermeister ist nach eigener Aussage darüber informiert, dass in den von ihm vermieteten Räumlichkeiten der Prostitution nachgegangen werde. Den Betrieb in den Wohnungen sieht er allerdings kritisch.
Lübecks Mieter war telefonisch für die NW nicht zu sprechen. Nach Informationen dieser Zeitung plant der Mann, einen Erotik-Shop in einer leer stehenden Gaststätte an der Bünder Straße in Hiddenhausen anzusiedeln.
Klaus Walter vom Ordnungsamt der Stadt kennt die Adresse. "Genehmigt ist der Erotik-Shop, eine Genehmigung für eine gewerbliche Zimmernutzung wurde nicht erteilt", sagte Walter am Mittwoch. Weitere Nachfragen zu diesem Thema werde die Stadt Bünde ausschließlich in schriftlicher Form beantworten, hieß es gestern aus dem Rathaus. Die Antworten auf einen Fragenkatalog blieben bis Redaktionsschluss aus.
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