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Donnerstag, 06.10.2011:
"Prostitution ist doch kein Vergnügen"
Schwarzach - Eine ehemalige "Agentur"- Chefin berichtet über ihre Erfahrungen im Milieu.
Eigentlich wollte Andrea (Name von der Redaktion geändert) vor sechs Jahren einen ganz normalen Begleitservice in Vorarlberg etablieren. „Frauen, die dafür bezahlt werden, dass sie mit den Männern essen gehen und einen schönen Abend haben. Ich dachte, das könnte im Ländle auch funktionieren.“ Doch schon bei den Vorstellungsgesprächen der Frauen wurde sich Andrea ihrer Naivität bewusst. „Das waren Professionelle aus der Milieu- Szene. Die meinten, dass da nichts ohne Sex läuft.“
Kontakte vermittelt
Dennoch ließ sie sich darauf ein, meldete ihre Agentur an und stellte fortan die Kontakte zwischen den Kunden und den Frauen her. „Was dann geschah, blieb den Frauen selbst überlassen. Da habe ich mich nie eingemischt.“ In Spitzenmonaten verdiente die ehemalige Agentur- Chefin bis zu 6000 Euro. „Es gab aber auch schwächere Zeiten, da reichte das Geld nicht einmal aus, um Annoncen zu bezahlen“, relativiert Andrea, die von insgesamt 300 Männern angerufen wurde. 80 Prozent davon Stammkunden. „Das ist ein Vorteil, da weiß man genau, was die Männer wollen und kann die Frauen beruhigt hinschicken.“
Reine Geldnot
Die „Escort- Damen“ machten den Job allesamt aus Geldnot. „Prostitution ist doch kein Vergnügen. Es gibt keine Frau, die das aus Befriedigung auf sich nimmt. Vielmehr zwingt sie eine schlimme finanzielle Notlage dazu.“
Dementsprechend häufig wurden die Damen dann auch wieder ausgetauscht. Über selbstverfasste Anwerbung wurde Andrea fündig. Und so konnte sie neben Vorarlbergerinnen auch vielen ausländischen Frauen Kontakte vermitteln. Das Verhältnis beschreibt sie als „fünfzig – fünfzig“: „Wobei meine Kunden Vorarlberginnen bevorzugten.“ Das wiederum ist auf die Sprache und das Wohlfühl- Gefühl zurückzuführen. „Der Kunde mag eine Einheimische lieber. Weil sie ihm das Gefühl vermittelt, seinetwegen und nicht wegen des Geldes da zu sein“, ist sich Andrea sicher.
Überholte Vorurteile
Was die Aussteigerin dann allerdings zu berichten weiß, stellt alle bislang bekannten Vorurteile der Vorarlberger Prostitutions- Szene auf den Kopf. „Ich weiß gar nicht, wie die Gerüchte entstanden sind, aber die Szene ist gar nicht so groß. Es handelt sich vielmehr um ein Mini- Milieu.“ Nur rund 25 Frauen sollen im Geschäft der käuflichen Liebe hierzulande tätig sein. Natürlich kämen immer wieder „durchreisende Prostituierte“ vorbei, die sich ein Zimmer mieten und selbst anbieten. Aber der Kern bestünde aus 25 Frauen, die zu insgesamt 400 Ländle- Männern Kontakt hätten. Das schließt Andrea aus den Angeboten in den einschlägig bekannten Magazinen. „Viel mehr Frauen sind das nicht. Wo sollen die denn sonst auch für sich werben und ihre Kunden herbekommen?“ All denen, die jetzt die unzähligen Sex- Anzeigen als Gegenargument anbringen, würde die Expertin nur Folgendes sagen: „Bei über 90 Prozent handelt es sich um Telefonsex- Angebote.“ Bei Prostitutions- Anzeigen würde der Sex niemals explizit ausgeschrieben. Daher kann sie die „viel zu hohen Prostitutions- Schätzungen“, wie sie es nennt, überhaupt nicht nachvollziehen.
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