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Donnerstag, 10.11.2011:
Rockerboss schweigt und lächelt vor Gericht
Es ist Schlag neun Uhr, als sich im Saal 39 die kleine Seitentür öffnet. Umrahmt von zwei Beamten in Uniform erscheint ein kleiner, rundlicher Mann. Er sieht so gar nicht aus wie ein gefährlicher Rocker - Bürstenhaarschnitt, Goldkette, Gefängnisblässe zwar, dazu aber doch einfache Jeans und Sweatshirt. Schlicht wirkt dieser Präsident der ehemaligen "Legion 81" - schlicht, kalkuliert und undefinierbar bedrohlich.
"Kugelblitz" und "Imperator"
Den Imperator hätte man ihn früher genannt, erklärt sein Anwalt später. Wer Mut hatte, habe "Kugelblitz" zu ihm gesagt - auf Grund der körperlichen Größe. Noch immer scheint der 39-Jährige beide Begriffe zu genießen. Er lächelt dazu, kurz und kühl - schickt Blicke durch den Gerichtssaal. Dann versteinert sich seine Miene. Stehend, mit Brille auf der Nase und in routiniertem Ton verliest der Staatsanwalt die Anklage. Dabei wippt die schwarze Robe hin und her, denn es wird dauern diesmal. Zwölf Punkte stehen allein in der Hauptanklage, zwei weitere Taten werden noch dazu kommen. Eine halbe Stunde, 45 Minuten, eine Stunde – der Mann liest vor und liest vor - das Bild der Anklage wird klarer.
Danach gibt es die "Legion 81" in Kiel seit Januar vergangenen Jahres. Eine Art Hilfstruppe der "Hells Angels" sollte sie sein. Ihr Präsident war Steffen R. Nun ist er angeklagt: wegen Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung, der Zuhälterei, der räuberischen Erpressung, der Nötigung und der Körperverletzung, der Anstiftung zur schweren Körperverletzung, des Betrugs, der Sachbeschädigung und der Bedrohung. Angebliche Mordpläne liest der Staatsanwalt zwar auch vor - doch das ist ein Fehler. Diesen Punkt hatte das Landgericht bereits vor Wochen abgelehnt.
Der Rocker soll brutal vorgegangen sein
Hinter der Anklageschrift verbergen sich Taten. Danach soll Steffen R. mit harter Hand regiert haben. Brutal sollen Mitglieder der "Legion 81" gezwungen worden sein, Befehle auszuführen. Wer aussteigen wollte, musste zahlen, wer nicht zahlen konnte, wurde gequält. Auch Aufträge ließ der Präsident der Hilfsrocker angeblich ausführen. Mal wurden Rivalen bedroht, mal geschlagen - auch gezielte Schüsse auf verfeindete Rocker waren demnach geplant. Und Steffen R. soll sich als Zuhälter betätigt haben. Mindestens zwei junge, unerfahrene Frauen habe er gezwungen, anschaffen zu gehen - im "Aphrodite-Club" in Grevenkrug und im "White Horse" in Flensburg.
Angeklagter schweigt zunächst
Zu all dem wird der Angeklagte schweigen – vorläufig, sagt sein Anwalt. Er müsse sich nicht zu jedem Unsinn äußern. Damit offenbart er seine Strategie. Mit elegantem Florett demontiert Andreas Schmidt jeden einzelnen Anklagepunkt. Fast alle Vorwürfe basierten auf Hörensagen, sagt er, kaum ein Aspekt sei zu beweisen. Die angeblich objektivste Behörde der Welt, so Rechtsanwalt Andreas Meyer, liefere hier ein schlechtes Bild.
Freitag sagt die erste Zeugin aus
Wieder muss der Angeklagte lächeln. Doch das vergeht, als die Anwältin der Nebenklage das Wort ergreift. Ihre Mandantin wird die erste Zeugin sein und soll Freitag vor Gericht aussagen. Die Anwältin fordert den Ausschluss der Öffentlichkeit und auch, den Angeklagten aus dem Saal zu entfernen. Er habe die 18-Jährige vier Monate lang zur Prostitution gezwungen, erklärt sie, die psychische Belastung sei zu groß. Damit endet dieser erste Tag. Fast 20 weitere sind angesetzt - ein Reihe von Zeugen geladen - am kommenden Freitag, ab viertel nach neun - entscheidet sich, wie das Verfahren weitergeht.
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