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Montag, 12.07.2010:

Roderick Agius über Malta als Zentrum eines modernen Menschenhandels

Die junge, hübsche Somalierin wollte am Internationalen Flughafen Maltas ein Flugticket nach Kopenhagen kaufen. Das Problem: Ihr italienisches Reisedokument war zwar täuschend echt, aber nicht echt. Andernorts wäre es akzeptiert worden, aber die Flughafengeräte sind auf solche Fälschungen spezialisiert. Die Somalierin konnte nicht sagen, wohin sie in Dänemark gehen, noch, was sie dort tun wollte. Sie wusste nur, dass sie am Flughafen abgeholt werden sollte.

Die Somalierin ist kein Einzelfall. Immer mehr afrikanische Frauen, die als Flüchtling in Malta gestrandet sind, versuchen weiter nach Europa zu kommen. Erstes Ziel ist meist Italien, wo sie Bekannte oder Verwandte unter den bereits dort lebenden Flüchtlingen haben. Doch um ihr Ziel zu erreichen, sind sie auf Reisedokumente angewiesen. Bis zu 700 Euro (930 Franken) kosten gute Fälschungen.

Die meist italienischen Verbrecherringe hinter den Fälschungen sind schwer zu fassen. „Wenn wir die Flüchtlinge fassen, sind sie meist zu verängstigt, als dass sie uns sagen, wer ihnen die Dokumente verkauft hat“, sagt ein maltesischer Polizeibeamter. In den vergangenen Wochen freilich konnten die Ermittler einen der Flüchtlinge, den sie verhaftet hatten, zu einer Aussage bewegen. Er legte den Namen eines Maltesers offen, der die Dokumente verkauft. Seither scheint die Zahl der Flüchtlinge, die Malta illegal Richtung Europa verlassen wollen, zurückgegangen zu sein.

Die Frauen suchen in Europa ihr Glück. Doch meist enden sie in der Prostitution. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie zu Sexsklavinnen werden, ist hoch“, sagt der Polizeibeamte. Viele Afrikanerinnen sind darauf nicht vorbereitet. Sie hoffen auf eine „arrangierten Ehe“ – also etwas, das sie aus ihrer Heimat gewohnt sind – und damit auf ein aus ihrer Sicht besseres Leben. Prostitution dagegen ist für sie ein Tabu. Doch die falschen Freunde, die ihnen zu Papieren und Flugtickets verhelfen, haben sie schon an Zuhälter in einem der Schengenländer verkauft.

Die maltesische Polizei kann wenig gegen diese Verbrecherringe tun. Die junge Somalierin wurde zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt, auf Bewährung ausgesetzt. Das ändert wenig an ihrem Leben auf Malta: Sie kann wenig auf der Insel tun, und zurück in ihre Heimat will sie nicht. Angesichts der Wirkungslosigkeit solcher Strafen sprechen maltesische Richter immer kürzere aus.

Bisher gibt es nur eine Hoffnung zumindest für Malta: Dieses Jahr ist der Flüchtlingsstrom abgebrochen. Seit Libyens Diktator Gaddafi seine Häfen für Flüchtlinge dicht gemacht hat, kommen afrikanische Einwanderer kaum noch über das südliche Mittelmeer nach Europa. Der Flüchtlingsstrom wird nun über die Türkei und Griechenland umgeleitet. Die Kopfjäger der Sexsklaverei sind nun vor allem dort tätig.



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