Amberg. Natascha, oft auch Ludmilla, steht auf den Klingelknöpfen, ein Nachname fehlt. Die Damen des horizontalen Gewerbes sind vor allem in Häusern zu finden, die sich ansonsten nicht mehr vermieten lassen, weil zu marode. Meist beschränkten sich die Angebote auf die Seitengassen der Innenstadt. Dass die Damen auch seit weit über einem Jahrzehnt in der Ziegelgasse und damit fast gegenüber der Wirtschaftsschule zu finden sind, entging den meisten Ambergern. Dennoch erregte die dortige Wohnungsprostitution jetzt den Zorn von Anwohnern.
Das Ärgernis drang bis zur SPD-Stadtratsfraktion vor, die im August dieses Jahres einen Antrag für eine Vorlage einer Sperrgebietsverordnung stellte. SPD-Fraktionsvorsitzender Florian Fuchs betonte darin, dass die SPD freilich keine moralische Wertung vornehmen wolle. Dennoch: Mit einer Sperrgebietsverordnung solle man Anwohner und sensible Bereiche wie das Umfeld von Schulen schützen, so die SPD.
Nun soll der Stadtrat entscheiden, ob eine Sperrgebietsverordnung erlassen werden soll. Die Stadträte werden sich auch Gedanken machen müssen, ob Prostitution gänzlich aus der Innenstadt verbannt werden soll. Wie gesagt, in den hinterliegenden Gassen ist es seit vielen Jahren zu finden. In diesem Fall müsste das Amberger Ei für die Prostitution gesperrt werden. Dann würden die Damen Wohnungen in den Außenbezirken beziehen. So wie schon in der Sulzbacher Straße.
Die Polizei gibt übrigens Entwarnung. „Für die Polizei ist das Rotlichtmilieu kein einsatzrelevanter Schwerpunkt“, sagte. Pressesprecher Peter Krämer auf Nachfrage. Die Damen der Wohnungsprostitution seien nicht in Straftaten verwickelt, weder die in der Innenstadt noch die in der Sulzbacher Straße. 40 Prostituierte gäbe es in Amberg. Die Kriminalpolizei halte zu ihnen Kontakt, um zu wissen, „was in der Szene abgeht.“
Krämer sagte, die Wohnungsprostitution werde von den Bürgern kaum wahrgenommen. Wenn, wüssten die Bürger vielleicht, dass sie in der Sulzbacher Straße zu finden sei, „weil da mal ein rotes Licht leuchtet“. Die Polizei war laut Krämers Aussage „nicht unglücklich“, mit der bisherigen Situation vor Ort.
Würde der Stadtrat den Beschluss für eine Verordnung fassen, müsste diese die Regierung der Oberpfalz erlassen. Ein diesbezüglicher Vorgang oder eine Anfrage ist nach Auskunft von Pressesprecher Josef Karl nicht eingegangen. Pressesprecherin Susanne Schwab von der Stadt Amberg sagte, man wolle erst den Ausgang des Stadtratsbeschlusses im November abwarten und dann die Regierung einschalten.