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Freitag, 28.01.2011:
Sex ohne Schutz mit schlimmen Folgen
Die Konkurrenz auf dem Markt für käufliche Liebe ist hart - weil immer mehr Frauen aus osteuropäischen EU-Staaten in Deutschland als Prostituierte arbeiten. Auch in der Region. Die Freier verlangen häufig Sex ohne Kondom - und bekommen ihn. Mediziner befürchten eine Zunahme von Geschlechtskrankheiten, die hier ausgerottet schienen.
Geschlechtskrankheiten sind wieder im Kommen: Tripper beispielsweise, Syphilis auch. Denn die Nachfrage nach käuflichem Sex ohne Schutz wird allzu oft befriedigt. Der Markt ist unübersichtlicher geworden und schwieriger zu kontrollieren.
Und immer noch werden, auch hier, Frauen zur Prostitution gezwungen: "Selbstverantwortliches Handeln funktioniert oft nicht", sagt Sebastian Kevekordes, Mediziner beim Ludwigshafener Gesundheitsamt. Viele Prostituierte könnten offenbar nicht frei entscheiden, ob sie mit dem Freier tatsächlich ohne Kondom verkehren wollen.
Zwangsprostitution und Menschenhandel gibt es auch nach Einführung des Prostitutionsgesetzes aus dem Jahre 2001, mit dem die Rechtsstellung von Huren verbessert werden sollte. Die Umstände haben sich allerdings verändert, und bestimmte Klischees in Bezug auf Frauen, die zum Anschaffen gezwungen werden, stimmen nicht mehr. "Früher waren die Frauen", etwa aus der Ukraine, "oft illegal hier", sagt Mathias Müller von der Projektgruppe Menschenhandel beim Polizeipräsidium Ludwigshafen. Das deutsche Ausländerrecht gab den Beamten die Möglichkeit, gegen diese Gruppe zu ermitteln.
Seit der jüngsten Osterweiterung der Europäischen Union (EU) allerdings stammt ein immer größerer Teil der Prostituierten aus den neuen Mitgliedsstaaten Bulgarien und Rumänien - und die Frauen, die weiter durch professionelle Schlepper in deutsche Bordelle gebracht werden, halten sich legal im Lande auf. In der Region sind es laut Müller die Busbahnhöfe in Mannheim und Karlsruhe, die als Verteilungszentren für die Ware Frau dienen. In Deutschland kommen die Frauen auf einen Markt, der durch das Überangebot an billigem Sex laut Kevekordes "hart umkämpft" ist.
"Viele Frauen sagen, dass die Verdienstmöglichkeiten schlechter werden", sagt Eva Schaab, Diplom-Psychologin bei der Ludwigshafener Beratungsstelle des Vereins "Solwodi" - Solidarität mit Frauen in Not - für die Opfer von Zwangs- und Gewaltprostitution. Was dazu führt, dass viele Frauen dem Wunsch der Freier nach Geschlechtsverkehr ohne Kondom nachgeben - und eigentlich ausgerottet geglaubte Geschlechtskrankheiten nach Beobachtung der Experten eine Renaissance erleben. "Dass ein Arzt beim Thema Syphilis noch etwas nachschlagen muss, kommt inzwischen zwar wohl nicht mehr vor", sagt Schaab ironisch. Aber im Ludwigshafener Gesundheitsamt gibt es noch nicht einmal mehr einen Gynäkologenstuhl zur Untersuchung der Prostituierten.
"Bockschein" war der umgangssprachliche Ausdruck für das amtsärztliche Gesundheitszeugnis, das Prostituierte bis 2001 regelmäßig vorweisen mussten. Parallel zum neuen Prostitutionsgesetz haben die Bundesländer die Pflicht zum Abstrich bei den Gesundheitsämtern abgeschafft und nach Meinung Schaabs damit voreilig gehandelt: "Ich kann nicht verstehen, dass bei den Gesundheitsämtern die Sicherheitsstandards so stark zurückgefahren wurde", sagt sie und fordert deutliche Nachbesserungen bei der Gesundheitsfürsorge für Prostituierte. "Man nimmt ja auch Geld von den Frauen", sagt Schaab, "irgendwas müsste für die auch drin sein." Rund 60.000 Euro hat die Stadt Ludwigshafen 2010 durch die recht bizarr "Vergnügungssteuer" betitelte Abgabe eingenommen: Fünf Euro pro Tag zahlen Huren in Ludwigshafen in die Stadtkasse, 50 bis 60 Prostituierte gibt es nach Angaben der Verwaltung im Stadtgebiet.
Wenigstens die Polizei kontrolliert noch in den Bordellbetrieben der Region - wenn auch auf mögliche Straftaten wie Menschenhandel und nicht mit Fokus auf dem Gesundheitsschutz. 110 Betriebe gibt es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz - inklusive Neustadt, Speyer und Landau samt der umliegenden Kreise. Rund 190 Prostituierte arbeiten dort laut Polizei-Experte Müller.
Eine bessere Vernetzung und regelmäßigen Informationsaustausch streben Polizei, Gesundheitsamt und die Mitarbeiter des Vereins Solwodi an. Die aufsuchende Arbeit will Schaab ausbauen, dazu einen geschützten Raum für die Frauen aufbauen - auch zur besseren Aufklärung über den Gesundheitsschutz. Der eigentlich auch im vitalen Interesse der Freier liegen müsste, aber da hat Schaab die Versuche, Männer zu verstehen, inzwischen wohl aufgegeben. "Das sind ja oft auch Familienväter", sagt die Diplom-Psychologin.
http://www.rheinpfalz.de/cgi-bin/cms2/cms.pl?cmd=showMsg&tpl=rhpMsg_thickbox.html&path=/rhp/lokal/lud&id=7276521
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