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Dienstag, 08.02.2011:
Sozialladen Fassade für "Legion 81"?
Sozialkaufhäuser gelten gemeinhin als gute Idee. Menschen, die nur wenig Geld haben, können sich hier günstig versorgen. Eines der größten Sozialkaufhäuser in Schleswig-Holstein ist nach eigenem Bekunden der "Basar am Bahnhof" in Kiel - und der hat sich mit sofortiger Wirkung von seinem Betriebsleiter getrennt. Geleitet wurde der Betrieb nach Recherchen der NDR 1 Welle Nord und des Schleswig-Holstein Magazins durch den Chef der umstrittenen "Legion 81" in Kiel. Das Landeskriminalamt hat den Verdacht, dass diese Gruppe das Sozialkaufhaus seit Monaten als Fassade für kriminelle Aktivitäten nutzt und vermutet zudem, dass aus dem Umfeld des "Kaufhauses" neue Mitglieder rekrutiert werden.
Sozialkaufhaus auch für Resozialisierungsmaßnahmen genutzt
Gerade dieser Verdacht wiegt schwer, denn nach Recherchen der NDR 1 Welle Nord und des Schleswig-Holstein Magazins wird die Einrichtung auch im Rahmen von Resozialisierungsmaßnahmen genutzt. Landgericht und Stadtmission haben auf Anfrage bestätigt, dass Straffällige im "Basar am Bahnhof" gerichtlich verordnete Arbeitsstunden abgeleistet haben. Von den aktuellen Zusammenhängen haben beide Institutionen nach eigenen Angaben nichts gewusst.
"Legion 81" gilt als Stoßtruppe der Rockergruppe "Hells Angels"
Unter Ermittlern gilt die "Legion 81" als Stoßtruppe der Rockergruppierung "Hells Angels". Danach ist die Gruppe vor allem im Bereich der Prostitution aktiv. Laut Landeskriminalamt gehört es aber auch zu den Aufgaben der "Legion 81", Konkurrenten einzuschüchtern und Straftaten zu begehen. Konkret ermittelt die Polizei in Schleswig-Holstein seit gut einem Jahr gegen mehrere Mitglieder - unter anderem wegen des Verdachts des bewaffneten Überfalls, des Menschenhandels und der Körperverletzung. Nach Polizeiangaben ist der Chef der "Legion 81" in Kiel identisch mit dem jetzt entlassenen Betriebsleiter des "Basars am Bahnhof".
"Basar am Bahnhof" ist kein Einzelfall
Es sei nicht der erste Fall, in dem ein Sozialladen der "Legion 81" in Kiel als Treffpunkt diene, erklärt Stefan Jung, Sprecher des Landeskriminalamtes. So sorgte im vergangenen Jahr der "Sparfuchs Kiel" für Schlagzeilen. Auf einer 300 Quadratmeter großen Verkaufsfläche im Papenkamp konnten Kunden damals Trödel kaufen, die Hinterzimmer dienten der "Legion 81" nach Polizeiangaben als Hauptquartier. Gleichzeitig wurde dort ein illegales Bordell betrieben. Dieser Laden hat inzwischen zugemacht. Die Strukturen seien jedoch mit denen des "Basars am Bahnhof" vergleichbar, erklärt Jung weiter. Nach NDR-Recherchen hatte der entlassene Betriebsleiter auch in dem Vorgänger-Unternehmen Führungsaufgaben.
Ein Sprecher des "Basars am Bahnhof" zeigte sich auf Anfrage zunächst überrascht. Was die Mitarbeiter in ihrer Freizeit machten, sei ihm egal, erklärte Hubert Bade. Er bestritt jegliche Verbindung zwischen dem Basar und der "Legion 81". Man werde sich mit sofortiger Wirkung von dem Betriebsleiter trennen, hieß es in einer aktuellen Pressemitteilung.
http://www.ndr.de/regional/schleswig-holstein/rocker193.html
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