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Samstag, 28.05.2011:

Verdeckter Ermittler bestätigt Drogen-Deal im Bordell

Drei Personen stehen im Verdacht, in einem Göppinger Bordell mit Drogen gehandelt zu haben. Gestern wurde vor dem Ulmer Landgericht ein verdeckter Ermittler befragt, der Kokain im Freudenhaus erwarb.


"Ich habe die Drogen gekauft und gemeint, 80 Euro für ein Gramm sei ein stolzer Preis", sagte der verdeckte Ermittler gestern vor dem Ulmer Landgericht. Die Bardame des Göppinger Bordells habe daraufhin gemeint, dass sich bislang noch keiner der Kunden beschwert habe. Der Polizeibeamte ging also davon aus, dass er nicht der einzige Kunde sei. Er sei jede bis jede zweite Woche in das Etablissement gegangen und bestätigte anschließend die dort ablaufenden Drogengeschäfte. Vor der 1. Großen Strafkammer wurde der Ermittler per Videoschaltung befragt. Das Bild wurde verschwommen übertragen, seine Stimme kam verzerrt im Gerichtssaal an.

Seit Anfang Mai müssen sich die drei Personen, zwei Männer und eine Frau, vor dem Landgericht verantworten: Ein 42-Jähriger aus Aalen, der das Bordell betrieben und Drogen in nicht geringer Menge gekauft haben soll, sowie ein 31-Jähriger aus Stuttgart, der die Ware in über 200 Fällen angeliefert haben soll, sagten bislang nicht aus. Neben den beiden Männern saß auch eine 36-Jährige aus dem Raum Kassel, die schon zuvor befragt wurde, auf der Anklagebank. Ihr wird zur Last gelegt, bei 200 Verkäufen von Kokain geholfen zu haben.

Der verdeckte Ermittler kam erstmals im November 2008 in das Göppinger Bordell. Zu Beginn hatte er noch kein Interesse an Drogen gezeigt. Er habe mit der Bardame über belanglose Themen geredet. Bei seinem neunten Besuch sprach er die Frau direkt auf Kokain an und behauptete an regelmäßigen Lieferungen interessiert zu sein. "Die Dame sagte, sie habe die Möglichkeit mir etwas zu geben", erzählte er.

Er kaufte bei seinen anschließenden Besuchen in zwei Fällen drei Gramm und einmal vier Gramm Kokain. Der Ermittler musste teilweise auch auf die Lieferung der Ware warten. Eine Übergabe an andereKäufer konnte er jedoch nicht beobachten. Den Angeklagten aus Stuttgart sah er jedoch im Bordell und erkannte ihn auf einem Foto. Zu einem Gespräch mit dem Chef des Bordells sei es nie gekommen: "Ich hatte das Gefühl als dürfe die Frau keine Kunden an ihn heran führen." Die Geschäfte seien also immer über die Angestellten abgewickelt worden, welche jedoch immer gesagt hätten, dass sie zuvor dem Betreiber sprechen müssten.

Im Anschluss wurde die 36-jährige Angeklagte noch einmal vernommen. Der Verteidiger ihres ehemaligen Lebensgefährten aus Aalen hielt ihr vor, seinen Mandanten für etwas beschuldigt zu haben, was er nicht getan habe. Die Angeklagte brach in Tränen aus, als ihr unterstellt wurde, sie habe sich selbst die Arme aufgeritzt und danach gedroht, der Polizei zu sagen, der 42-Jährige habe ihr die Wunden zugefügt. Sie stritt die Vorwürfe ab. Der Staatsanwalt wunderte sich über die Vorgehensweise des Verteidigers, der immer weiter in die Privatsphäre der Frau vordrang. Auch der Verteidiger der Frau griff ein und sprach davon, seine Mandantin werde "in den Dreck gezogen".

Derzeit sind noch fünf weitere Tage für die Verhandlung angesetzt. Der Prozess wird am Donnerstag, 9. Juni, fortgesetzt.



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